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Das Buch Daniel

 

 

nach einer Auslegung von

A. E. Knoch

 

 

in der Zeitschrift "Unausforschlicher Reichtum" des

Konkordanten Verlags Pforzheim, D-75217 Birkenfeld,

Jahrgänge 1967 bis 1976

Das Buch Daniel ist uns sehr nützlich zur Belehrung über die Weltgeschichte und das Allesbewirken Gottes. Es ermutigt uns zur Treue unserem Herrn gegenüber in den Wirren der Gegenwart und führt uns zur Anbetung Gottes.

 

Die Bedeutung des Namens "Daniel"

Der Name "Daniel" bedeutet: "Recht verschafft der Unterordner". Man kann ihn auch mit "Rechtsspruch Gottes" umschreiben und so eine Zusammenfassung seiner Prophetie geben, die Gottes Rechtsspruch über die Wege der Nationen für die Zeit aufzeigt, in der sie anstelle Israels die beherrschende Rolle auf Erden spielen. Die Zeit, in der dies stattfindet, wird in Lukas 21, 24 als "Fristen der Nationen" bezeichnet, in denen Israel von den Nationen getreten wird.

Die Wegführung der "Südstämme"

Daniel 1, 1-2

»Im dritten Jahr der Regierung Jojakims, des Königs von Juda, kam Nebukadnezar, der König von Babylon, nach Jerusalem und belagerte es. Doch Jewe gab Jojakim, den König von Juda, in seine Hand und einen Teil der Geräte aus dem Haus Elohims. Dann brachte er sie in das Land Sinear, in das Haus seines Gottes; die Geräte brachte er in das Schatzhaus seines Gottes.«

Ungeachtet der Warnungen des Propheten Jeremia taten Jojakim (609/608-597 v.Chr.) und sein Sohn Jojachin, der nach ihm drei Monate regierte, was in den Augen Jewes, ihres Elohim, übel war (2. Chr. 36, 4-10). Darum ließ Gott Jojachin und die Oberschicht des Volkes, dazu Krieger, Schmiede und Schlosser in das Land Sinear verschleppen, die Ebene Babylons zwischen Euphrat und Tigris (2. Kö. 24). Nach allgemeiner Geschichtsschreibung geschah dies im Jahre 597 v. Chr.. 10 Jahre später wurde ganz Juda und Benjamin deportiert. Nur wenige blieben zurück. Alle Geräte des Hauses Gottes wurden weggenommen, Jerusalems Mauern niedergebrochen. Ein Teil der Stadt, der Palast und der Tempel gingen in Flammen auf (2. Kö. 25; 2.Chron.36:14-20). Gott gebrauchte Nebukadnezar (605 - 562 v. Chr.) wie auch andere Feinde Seines Volkes, um es zu züchtigen und zurechtzubringen. In diesem Sinne ist der König von Babylon ein Knecht Gottes, wie Jeremia ihn in Kap. 27, 6 bezeichnet.

Die Anwesenheit Jojachins, eines Nachkommens Davids, in Babylon besagt, daß die Herrschaft der Nationen beginnt (Luk.21,24). Sie dauert so lange, bis der Messias wiederkommt und David in Seinem Namen über alle Nationen herrschen wird.

Der Abtransport der Geräte des Hauses Elohims nach Babylon zeigt, daß Daniels Prophetie nicht nur den politischen, sondern auch den religiösen Aspekt behandelt. Die Verehrung Gottes steht sogar im Vordergrund.

Wahrscheinlich nahm Nebukadnezar bereits vor der siegreichen Schlacht bei Karkemisch 605 v. Chr. gegen Pharao Necho Gefangene aus Jerusalem mit (im 3. Jahr der Regierung Jojakims, ca. 607).

Daniel besteht die Prüfung

Daniel 1, 3-7

»Der König gebot dem Asphenas, seinem obersten Eunuchen, die Söhne der Höchsten Israels herbeizubringen, sowohl die aus königlichem Samen wie auch von den Hochgeborenen - Knaben, an denen kein Makel war, von gutem Aussehen, die für jede Wissenschaft begabt waren, Vorkenntnis in Wissensgebieten und Verständnis für weitere Erkenntnisse zeigten, und welche die Befähigung hatten, im Palast vor dem König zu stehen - sie sollte er im Schrifttum und der Zunge der Chaldäer unterrichten. Auch wies der König ihnen die Tageskost für jeden Tag an: von den Leckerbissen des Königs sowie von dem Wein der königlichen Gelage. So sollten sie drei Jahre erzogen werden und nach deren Ablauf vor dem König stehen.

Unter ihnen befanden sich von den Söhnen Judas auch Daniel, Hananja, Misael und Asarja. Als der Oberste der Eunuchen ihnen andere Namen gab, nannte er Daniel Beltsazar, Hananja Sadrach, Misael Mesach und Asarja Abednego.«

In einem Reich von so großem Ausmaß bestand ein großer Bedarf an qualifizierten Führungskräften, welche mit den Bräuchen und Landessprachen der beherrschten Völker vertraut waren. Die Auswahl erfolgte nach eingehender Prüfung ihrer Herkunft, ihrer Gesundheit und ihrer geistigen Fähigkeiten. Vier hebräische Jünglinge werden ausgewählt: Daniel, Hananja (gegeben hat Jah), Misael (wer ist wie El) und Asarja (geholfen hat Jah). Ihre beziehungsreichen Namen können im Bereich der babylonischen Götter nicht beibehalten werden. Auch die Ernährung der Staatsstudenten unterlag der besonderen Fürsorge des Königs.

Daniel 1, 8-13

»Doch Daniel nahm sich in seinem Herzen vor, er wolle sich nicht mit den Leckerbissen des Königs verunreinigen, noch mit dem Wein seiner Gelage. Als er den Obersten der Eunuchen darum ersuchte, sich nicht verunreinigen zu müssen, da gewährte Elohim dem Daniel Huld und Erbarmen vor dem Obersten der Eunuchen. Nur sagte der Oberste der Eunuchen zu Daniel: Ich fürchte meinen Herrn, den König, welcher eure Nahrung und eure Getränke anwies. Warum soll er eure Angesichter kümmerlicher und hagerer als die der anderen Knaben sehen, welche wie ihr zur Verschleppung kamen? Damit hättet ihr beim König mein Haupt verwirkt!

Da sagte Daniel zu dem Aufseher, welchen der Oberste der Eunuchen über Daniel, Hananja, Misael und Asarja angewiesen hatte: Erprobe doch deine Diener zehn Tage; man möge uns von der Samenkost des Landes geben, davon wollen wir essen, und Wasser, davon werden wir trinken. Dann möge man unser Aussehen vor dir besehen und das Aussehen der Knaben, die des Königs Leckerbissen essen. Gemäß dem, was du dann sehen wirst, verfahre mit deinen Dienern.«

Daniel bemühte sich um eine Kost, die ihn nach dem Gesetz des Mose nicht verunreinigte. Das Fleisch mußte koscher, das Blut also ausgeflossen sein (3. Mose 17, 10-12). Das war an der königlichen Tafel nicht der Fall, so daß für Daniel und seine Freunde eine Gesetzesübertretung und damit eine Kränkung Gottes zu befürchten war. Eine kritische Situation, auch für den Obersten der Eunuchen, der für ihre Gesundheit verantwortlich war. Darum schlägt Daniel in aller Unterordnung ein Experiment vor.

Daniel 1, 14-21

»Da hörte er auf sie in dieser Sache und erprobte sie zehn Tage lang. Nach Ablauf der zehn Tage erschien ihr Aussehen besser und ihr Fleisch wohlgenährter als das all der anderen Knaben, die des Königs Leckerbissen gegessen hatten. Hinfort ließ der Aufseher ihre Leckerbissen samt ihrem Festmahlswein wegtragen und gab ihnen dafür Samenkost.

Diesen vier Knaben - ihnen gab der Eine, Elohim, Erkenntnis und Einsicht in allem Schrifttum, ebenso Weisheit. Dazu hatte Daniel Verständnis in allen Gesichten und Träumen. Nach Ablauf der Tage, die der König festgesetzt hatte, damit sie ihm dann vorgestellt würden, brachte der Oberste der Eunuchen sie vor Nebukadnezar, und der König sprach mit ihnen; doch fand sich unter ihnen allen keiner wie Daniel, Hananja, Misael und Asarja. So standen sie fortan vor dem König: in allen Fragen der Weisheit und des Verständnisses, in welchen der König von ihnen Rat suchte, fand er sie allen Weiheschreibern und Magiern in seinem ganzen Königreich zehnfach überlegen. Daher ehrte sie der König und setzte sie als Fürsten ein. So blieb Daniel bis zum Jahr eins des Königs Cyrus von Persien.«

Daniels Dienstzeit erstreckte sich über:

- die restliche Regierungszeit Nebukadnezars,

- die dessen Sohnes Ewil-Merodach (562 - 560 v. Chr.),

- die dessen Schwagers Neriglassar (560 - 556 v. Chr.),

- die Nabonids und dessen Mitregenten Belsazar (555 - 539 v. Chr.)

- bis in die Regierungszeit des Königs Cyrus (oder Kores) von Persien, der ab 538 v. Chr. Herrscher über Babylon war und nach der Geschichtsschreibung zunächst durch Darius, den Meder, vertreten wurde.

Die metallene Bildsäule

Daniel 2, 1-6

»Im zweiten Jahr der Regierung Nebukadnezars träumte Nebukadnezar Träume, so daß sein Geist beunruhigt wurde und sein Schlaf von ihm wich. Da gebot der König, die Weiheschreiber, Magier, Zauberer und Chaldäer herbeizurufen, um dem König seine Träume kundzutun; und sie kamen und traten vor den König. Nun sagte der König zu ihnen: Ich habe einen Traum gehabt, und mein Geist ist beunruhigt, den Traum zu erfahren.

Dann sprachen die Chaldäer zu dem König auf aramäisch: Der König lebe für Äonen! Sage deinen Dienern den Traum, so werden wir die Deutung angeben. Als Antwort entgegnete der König den Chaldäern: Die Sache ist mir entfallen. Falls ihr mir den Traum und seine Deutung nicht bekanntgeben könnt, sollt ihr zerstückelt werden, und die Beschlagnahme eurer Häuser wird ausgehängt. Doch falls ihr mir den Traum und seine Deutung angeben werdet, sollt ihr als Belohnung Ehrengaben und höchste Würden vor mir erhalten, nur gebt den Traum und seine Deutung an.«

Im zweiten Jahr der Regierung Nebukadnezars über Israel war die Ausbildung der Staatsstudenten noch nicht beendet. Daraus ist ersichtlich, daß Gott einen Zeitpunkt wählte, der nachdrücklich den Ursprung der Weisheit Daniels zur Geltung brachte. Sein Wissen konnte nur von oben, von dem Gott aller Weisheit, sein.

Übrigens ließ Gott zur gleichen Zeit durch Seinen Propheten Jeremia in Judäa das Schicksal Israels, Judas und der Nationen enthüllen. Aber der von Nebukadnezar eingesetzte König Zedekia hörte nicht auf das Wort Gottes (Jer. 37, 1+2), sondern trachtete Jeremia nach dem Leben. Der Götzen dienende König Nebukadnezar dagegen war begierig zu erfahren, was ihm offenbart werden sollte.

Daniel 2, 7-11

»Sie antworteten zum zweiten Mal: Der König sage seinen Dienern den Traum, so werden wir die Deutung angeben! Als Antwort entgegnete der König: Ich erkenne mit Gewißheit, daß ihr Zeit gewinnen wollt, alldieweil ihr gewahrt, daß die Sache mir entfallen ist. Denn falls ihr mir den Traum nicht bekanntgeben solltet, gilt euch diese eine Anordnung. Ihr habt euch verabredet, eine verlogene und verderbte Sache vor mir auszusagen, bis daß die Zeit sich ändert. Sagt mir nur den Traum an, und ich werde wissen, daß ihr mir seine Deutung angeben könnt. Die Chaldäer antworteten vor dem König: Es gibt keinen Menschen auf Erden, der des Königs Sache anzugeben vermag, zumal kein großer und machtvoller König je eine Sache wie diese von irgendeinem Weiheschreiber, Magier oder Chaldäer erfragt hat. Die Sache, die der König erfragt, ist schwer und außergewöhnlich. Es gibt keinen anderen Menschen, der sie vor dem König angeben könnte, nur die Götter, deren Wohnstätte nicht bei sterblichem Fleisch ist.«

Die Chaldäer scheinen die Wortführer gewesen zu sein; sie sprechen aramäisch. Der Abschnitt von Kap. 2, 4 bis zum Ende des Kap. 7 ist aramäisch abgefaßt.

Auf Nebukadnezars absurde Forderung, den Traum anzugeben, erklärten sie, kein sterblicher könne das, sondern nur Götter. Warum aber befragten sie ihre Götter nicht? Welch ein Kontrast zu Daniel, der Verbindung mit der Quelle der Weisheit, dem Höchsten, hatte durch den Geist Gottes. Die Weisen Babylons aber sind ratlos.

Daniel 2, 12-23

»Dieserhalb zürnte ihnen der König und hatte großen Grimm, so daß Er gebot, alle Weisen Babylons umzubringen. Als die Anordnung ergangen war, die Weisen hinzurichten, suchte man auch Daniel und seine Gefährten, um sie ebenfalls hinzurichten.

Sodann wandte sich Daniel mit Bedacht und Takt an Arioch, den obersten Scharfrichter des Königs, der ausgegangen war, die Weisen Babylons hinzurichten. Er hob an und sagte zu Arioch, dem Bevollmächtigten des Königs: Warum diese dringliche Anordnung vom König? - Sodann gab Arioch dem Daniel den Sachverhalt bekannt. Da ging Daniel hinein und ersuchte den König, daß er ihm einen Aufschub gewähren solle, um dem König dann die gesamte Deutung anzugeben.

Sodann begab sich Daniel in sein Haus zu Hananja, Misael und Asarja, seinen Gefährten, gab ihnen den ganzen Sachverhalt bekannt und gebot ihnen, vor dem Elah der Himmel betreffs dieses Geheimnisses Erbarmen zu erflehen, daß Daniel und seine Gefährten nicht mit den übrigen Weisen Babylons umgebracht würden.

In einem Nachtgesicht wurde sodann Daniel das Geheimnis des Königs enthüllt. Da segnete Daniel den Elah der Himmel. Daniel hob an und sagte: Gesegnet sei der Name des Elah von dem Äon an und bis zu dem Äon! Denn Weisheit und Allmacht, sie sind Sein. Er ändert Zeiten und Fristen, läßt Könige vergehen und läßt Könige aufstehen, gewährt den Weisen Weisheit und Erkenntnis den im Verständnis Erfahrenen. Er enthüllt die tiefen und verborgenen Dinge, Er weiß, was in der Finsternis ist, und der Strom des Lichts wohnt bei Ihm. Dir, Elah meiner Väter, huldige ich, und Dich preise ich, daß Du mir Weisheit und Kraft gewährst und mir nun bekanntgegeben hast, was wir von Dir erflehten; denn des Königs Sache hast Du uns bekanntgegeben.«

Das Gebet und Flehen Daniels und seiner Kameraden wurde ohne Verzug beantwortet. Da segnete Daniel den Elohim der Himmel. Das war die erste Frucht aus dem Handeln Gottes. Später gestand auch Nebukadnezar die Größe Gottes ein (Kap. 2, 47).

Auch wir dürfen in unserer unruhigen Zeit Gott segnen in dem Wissen, daß die Unfähigkeit der Regierungen die Menschen vorbereiten wird für die einzig gerechte und friedevolle Herrschaft des Messias auf Erden.

Daniel 2, 24-30

»Dieserhalb machte Daniel sich auf zu Arioch, den der König angewiesen hatte, alle Weisen Babylons umzubringen. So ging er hin und sagte zu ihm: Die Weisen Babylons darfst du nicht umbringen. Führe mich hinein vor den König, und ich werde dem König die Deutung angeben.

Da führte Arioch den Daniel eilends hinein vor den König und sagte dies zu ihm: Ich habe einen weisen Mann unter den Söhnen der Verschleppung aus Juda gefunden, der dem König die Deutung bekanntgeben wird.

Als Antwort sagte der König zu Daniel (dessen chaldäischer Name Beltsazar war): Kannst du mir tatsächlich den Traum bekanntgeben, den ich gewahrte, und seine Deutung?

Daniel antwortete vor dem König: Das Geheimnis, das der König erfragt, können Weise, Magier, Weiheschreiber und Wahrsager dem König nicht angeben. Doch es ist ein Elah in den Himmeln, der Geheimnisse enthüllt; und Er gibt dem König Nebukadnezar bekannt, was in späteren Tagen geschehen wird. Dein Traum und die Gesichte deines Hauptes, die du auf deinem Lager hattest - es sind diese:

Dir, o König, stiegen auf deinem Lager Gedanken darüber auf, was nach diesem geschehen wird. Er, der Geheimnisse enthüllt, gibt dir bekannt, was geschehen wird. Mir aber ist dieses Geheimnis enthüllt worden, nicht als wäre in mir mehr Weisheit als in allen anderen Lebenden, sondern nur zu dem Zweck, damit die Deutung dem König bekanntgegeben werde und du die Gedanken deines Herzens erkennst.«

Wie anders ist die Haltung Daniels als die Ariochs, der sich selbst in den Vordergrund rückte mit den Worten: "Ich habe einen ... gefunden." Daniel trat völlig in den Hintergrund; er gab Gott die Ehre, der allein Träume gab und ihre Deutung.

Daniel 2, 31-45

»Du, o König, gewahrtest etwas, und siehe, ein großes Standbild. Dieses Standbild war gewaltig, und sein Glanz, als es vor dir stand, außerordentlich, und sein Aussehen war schrecklich. Das Haupt jenes Standbilds war aus feinem Gold, seine Brust und seine Arme waren aus Silber, sein Unterleib und seine Hüften aus Kupfer, seine Beine aus Eisen, seine Füße waren teils aus Eisen und teils aus Ton. Du gewahrtest dies, bis sich ein Stein von einem Berg loslöste, jedoch nicht durch Menschenhände, und das Standbild an seinen eisernen und tönernen Füßen traf und es zermalmte. Sodann wurden wie auf einen Schlag Eisen, Ton, Kupfer, Silber und Gold zermalmt; sie waren wie Spreu beim Sommerdreschen und der Wind trug sie davon; keine Stätte war von ihnen zu finden. Doch der Stein, der das Standbild traf, wurde zu einem großen Gebirge und erfüllte die ganze Erde.

Dies ist der Traum, und seine Deutung wollen wir vor dem König ansagen:

Du, o König, bist der König der Könige, da dir der Elah der Himmel ein sicher geschütztes Königreich, dazu Macht, Verherrlichung und Würde gewährt hat. An jedem Ort, wo Söhne der Menschen weilen, das Wildgetier des Feldes, die Flügler der Himmel und die Fische des Meeres: Er hat sie in deine Hand gegeben. Er gibt dir Vollmacht über sie alle: Du bist es, das Haupt aus Gold.

Danach wird an deiner Statt ein anderes Königreich erstehen, geringer als du, aus Silber; danach wird ein anderes, drittes Königreich, aus Kupfer, Vollmacht über die gesamte Erde haben.

Danach wird ein viertes Königreich, mächtig wie Eisen, sein, wie denn das Eisen alles zermalmt und zerschmettert. Wie das Eisen, das zertrümmert, wird es alle diese zermalmen und zertrümmern.

Daß du die Füße und die Zehen teils aus Töpferton und teils aus Eisen gewahrtest, bedeutet: dieses Königreich wird zusammengesetzt sein. Zwar wird etwas von der Festigkeit des Eisens darin sein, wie du denn das Eisen vermengt mit schlammigem Ton gewahrt hast. Daß die Zehen der Füße teils aus Eisen und teils aus Ton waren, bedeutet: zum Teil wird das Königreich mächtig sein; doch ein Teil davon wird brüchig sein. Daß du das Eisen vermengt mit schlammigem Ton gewahrtest, bedeutet: mit Reichtum wird sich der bewaffnete Arm der Sterblichen vermengen; doch am Reichtum werden sie nicht haften, kein Teil am anderen, wie ja auch Eisen sich nicht mit Ton vermengt.

In den Tagen jener Könige wird der Elah der Himmel ein Königreich aufrichten, das für die Äonen unversehrt bleiben soll; doch Sein Königreich wird keinem anderen Volk überlassen werden. Zermalmen und wegraffen wird es alle jene Königreiche, und es wird für die Äonen bestehen.

Wie du denn gewahrt hast, daß ein Stein sich von dem Gebirge loslöste, jedoch nicht durch Menschenhände, und Eisen, Kupfer, Ton, Silber und Gold zermalmte, so hat der große Elah dem König bekanntgegeben, was nach diesem geschehen wird. Gewißheit bringt der Traum und glaubwürdig ist seine Deutung.«

Die monumentale Figur in der Gestalt eines Menschen verkörpert das Ideal, wonach der Mensch strebt: Eine mustergültige Herrschaft ohne Gott.

Es gab nur drei Königreiche, die über die ganze damals bekannte Welt Vollmacht hatten. Es sind Babylon, Medopersien und Griechenland. Rom gehört nicht dazu, denn Gott hatte ihm eine grenzenlose Vollmacht nicht zugesprochen.

Das zweite Königreich, Medo-Persien, ist geringer als Babylon, wie Gott Daniel die Metalle deuten läßt. Gold ist wertvoller als Silber, Silber kostbarer als Kupfer und Kupfer mehr wert als Eisen; Eisen aber besser als Ton. Daran erkennen wir, daß es mit den menschlichen Regierungen ständig bergab geht, wenn man uns auch glaubhaft machen will, daß sie große Fortschritte machen und alles laufend besser wird.

In der militärischen Stärke ist allerdings das niedrigere Metall dem edleren überlegen. Das Silber besiegt das Gold, das Kupfer triumphiert über das Silber, und Eisen ist das stärkste. Medo-Persien besiegte Babylon, Griechenland eroberte Medo-Persien.

Beine und Füße der Statue bestehen aus Eisen. Sie stehen für das letzte Königreich, das Macht über die ganze Erde haben wird. Es ist das Reich des Antichristus. Der Ton in den Füßen ist eine Beimischung und zeigt die Anfälligkeit dieses Reiches in der letzten Zeit. Daß die Statue zwei Beine hat, ist ohne Belang, denn das Reich des Antichristus ist nicht geteilt. Die Beine weisen nicht auf Rom hin, denn im Verlauf der rund 800jährigen Geschichte Roms währte die Reichsteilung nur 81 Jahre (395 - 476 n. Chr.).

Der Stein ersetzt das vierte und letzte Weltreich. Das gotteslästerliche Reich des Antichristus wird zerstört werden. Christus wird die Weltherrschaft antreten.

Dieses Königreich der Himmel hatte sich genaht, als unser Herr Jesus Christus unter Israel weilte (Matth. 4, 17). 69 Jahrsiebener waren seit der babylonischen Verbannung bereits erfüllt, ein Jahrsiebener stand noch aus - und steht heute noch aus, weil Israel die Bedingung nicht erfüllte: Sinnet um!

Daniel 2, 46-49

»Da fiel der König Nebukadnezar auf sein Angesicht und warf sich vor Daniel nieder und gebot, ihm ein Geschenkopfer und duftendes Räucherwerk darzubringen. Als Antwort sagte der König zu Daniel: In Wahrheit, euer Elah ist der Elah über Götter und Herr über Könige und einziger Enthüller verborgener Geheimnisse, da du dieses Geheimnis zu enthüllen vermochtest. Alsdann erhöhte der König den Daniel und gewährte ihm viele große Ehrengaben. Überdies gab er ihm Vollmacht über die gesamte Provinz Babylon und machte ihn zum höchsten Präfekten über alle Weisen Babylons.

Auf Daniels Bitte wies der König Sadrach, Mesach und Abednego an, die Verwaltung der Provinz Babylon zu überwachen, während Daniel am Hof des Königs verblieb.«

Nebukadnezar begann zu verstehen, daß der Elohim Daniels der allerhöchste ist. Der König erkannte Gott an; seinen Dank dem Repräsentanten Gottes gegenüber drückte er durch viele Ehrengaben und die Vollmacht über die Provinz Babylon aus, die Daniel, der in Treue an seine Freunde dachte, auf diese übertragen ließ.

Die Bildsäule aus Gold

Daniel 3, 1-3

»Im achtzehnten Jahr Nebukadnezars machte der König eine Bildsäule aus Gold. Ihre Höhe war sechzig Ellen und ihre Breite sechs Ellen. Er stellte sie im Duratal in der Provinz Babylon auf. Alsdann sandte Nebukadnezar, der König der Könige und Herrscher der ganzen Wohnerde, aus, um alle Nationen, Stämme und Zungen zu versammeln: Die Satrapen, Präfekten und Statthalter, die Omendeuter, Landpfleger, Ratsherren, Rechtsgelehrten und alle Obrigkeiten der Provinzen sollten zur Einweihung der Bildsäule eintreffen, die der König Nebukadnezar aufgestellt hatte. Dann versammelten sich die Satrapen, Präfekten und Statthalter, die Omendeuter, Landpfleger, Ratsherren, Rechtsgelehrten und alle Obrigkeiten der Provinzen zur Einweihung der Bildsäule, die der König Nebukadnezar aufgestellt hatte.«

Die metallene Bildsäule hatte seinerzeit einen gewaltigen Eindruck auf Nebukadnezar gemacht, doch war dieser offensichtlich wenig nachhaltig. Die gesamte damals bekannte Wohnerde war unter Nebukadnezars Herrschaft zu einer politischen Einheit zusammengefaßt; nun wünschte er auch die religiöse Einheit, denn unterschiedliche Religionen führen zu unerwünschten Zwistigkeiten. Er machte einen neuen, eigenen Götzen.

Das gesamte Geschehen um diese goldene Bildsäule zeigt uns, daß den Regierungen nur die politische Herrschaft übertragen ist, nicht aber die religiöse. Wieviel Leid hat die Überschreitung dieser Grenze, insbesondere in der europäischen Geschichte, schon gebracht! Wir sind nach Römer 13, 1-7 gehalten, der weltlichen Obrigkeit untertan zu sein. Herrschaft über unseren Glauben hingegen hatte noch nicht einmal der Apostel Paulus (2. Kor. 1, 24); die hat allein Gott.

Daniel 3, 4-7

»Nun rief der Herold mit Macht den Scharen zu: Euch wird befohlen, ihr Nationen, Völker, Stämme und Zungen! Sobald ihr den Schall des Horns, der Pfeife, der Leier, der Sambuke, des Psalterions - alle Art Musik im Zusammenklang - hört, sollt ihr niederfallen und die goldene Bildsäule anbeten, die der König Nebukadnezar aufgestellt hat. Wer aber nicht niederfallen und anbeten sollte, der soll zur selben Stunde in den glühenden Feuerofen geworfen werden.

Zu dem Zeitpunkt, da alle Völker den Schall des Horns, der Pfeife, der Leier, der Sambuke, des Psalterions - alle Art Musik im Zusammenklang - hörten, fielen daher Völker, Stämme und Zungen nieder und beteten die goldene Bildsäule an, die der König Nebukadnezar aufgestellt hatte.«

Welch eine ungerechte Gottheit! Sie fordert Anbetung unter Androhung des Feuertodes. Doch dem Gehorsam wird kein einziges Versprechen gegeben. Der wahre Gott jedoch wirbt durch Seine Gnadengaben. Er droht nicht mit einer "Feuerhölle". Welch ein Unterschied auch zwischen den von Nebukadnezar angeordneten weltlichen und religiösen Strafen! Politische Gegner deportierte er, Andersgläubige aber müssen mit Schlimmerem rechnen.

Daniel 3, 8-12

»Dieserhalb nahten sich die Meister der Chaldäer zu demselben Zeitpunkt und verklagten nun die Juden. Sie hoben an und sagten zu dem König Nebukadnezar: O Herr, König, lebe für die Äonen! Du, o König, hast einen Erlaß ausgehängt, daß jeder Sterbliche, der den Schall des Horns, der Pfeife, der Leier, der Sambuke, des Psalterions - alle Art Musik im Zusammenklang - hört, niederfallen und die goldene Bildsäule anbeten soll. Wer aber nicht niederfällt und die goldene Bildsäule nicht anbetet, soll in den glühenden Feuerofen geworfen werden. Doch da sind jüdische Meister, welche du angewiesen hast, die Verwaltung der Provinz Babylon zu überwachen - Sadrach, Mesach und Abednego - diese Meister achten nicht auf deinen Erlaß, o König, deinen Göttern dienen sie nicht, denn die goldene Bildsäule, die du aufgestellt hast, beten sie nicht an.«

Daniels Freunde waren der ernstesten Prüfung ausgesetzt. Das erste Gebot lautete: "Du sollst keine anderen Götter haben, mir ins Angesicht" (2. Mose 20, 3). Ein Verstoß dagegen wäre gleichbedeutend mit der Trennung von ihrem Volk und dessen Verheißungen. Außerdem wären sie unter den Fluch des Gesetzes gekommen.

Daniel 3, 13-15

»Da gebot Nebukadnezar unter Toben und Wüten, Sadrach, Mesach und Abednego herbeizubringen. Als diese jüdischen Meister vor den König gebracht wurden, hob Nebukadnezar an und sagte zu ihnen: Ist es vorsätzlich, Sadrach, Mesach und Abednego, daß ihr meinen Göttern tatsächlich nicht dient und die goldene Bildsäule, die ich aufgestellt habe, nicht anbetet? Falls ihr nun bereit seid, sobald ihr den Schall des Horns, der Pfeife, der Leier, der Sambuke, des Psalterions - alle Art Musik im Zusammenklang - hört, sollt ihr niederfallen und die goldene Bildsäule anbeten, die ich gemacht habe. Und falls ihr nicht anbetet, werdet ihr in derselben Stunde in den glühenden Feuerofen geworfen; und wer ist er, der Gott, der euch aus meiner Hand erretten wird?«

Nebukadnezar nimmt die Rache lieber in die eigene Hand, statt sie einer unerprobten Gottheit zu überlassen. Unbewußt stellt er auch die Frage nach dem Gott, der größer ist als er selbst.

Daniel 3, 16-18

»Sadrach, Mesach und Abednego gaben dem König zur Antwort: Nebukadnezar, es ist wohl nicht notwendig, daß wir dir auf diesen Bescheid etwas erwidern. Sollte es tatsächlich geschehen, unser Elah in den Himmeln, dem wir dienen, vermag uns aus dem glühenden Feuerofen zu erretten; auch aus deiner Hand, o König, wird Er uns erretten. Sollte Er es aber nicht tun, so sei dir kundgetan, o König, daß wir tatsächlich deinen Göttern nicht dienen und die goldene Bildsäule, die du aufgestellt hast, nicht anbeten werden.«

Eine mutige Antwort. In der Endzeit wird es viele geben, die der Bildsäule des wilden Tieres ihre Anbetung verweigern.

Daniel 3, 19-24a

»Da wurde Nebukadnezar so mit Wut erfüllt, daß die Züge seines Angesichts sich gegen Sadrach, Mesach und Abednego verzerrten. Er hob an und gebot, den Ofen siebenfach über das hinaus zu heizen, wie man ihn üblicherweise heizte. So gebot er einigen Männern, mächtigen Meistern in seiner Streitmacht, Sadrach, Mesach und Abednego zu binden und in den glühenden Feuerofen zu werfen. Dann banden sie diese drei jüdischen Meister in ihren Mänteln, ihren Turbanen auf ihren Häuptern, ihren Gewändern und ihrer sonstigen Kleidung und warfen sie in den glühenden Feuerofen.

Wegen der Dringlichkeit des königlichen Anliegens war der Ofen ungemein stark geheizt; demzufolge wurden diese Meister, die Sadrach, Mesach und Abednego hinaufbrachten, durch die Flamme des Feuers umgebracht. Doch diese drei jüdischen Meister, Sadrach, Mesach und Abednego, fielen gebunden in den glühenden Feuerofen; aber sie gingen inmitten der Flammen umher, sangen Hymnen zu Elah und segneten Jewe.«

Wir freuen uns darüber, daß die drei ihren Glauben und ihr Empfinden in Lobpreis und Gebet zum Ausdruck bringen. Sie erfuhren die Freilösung aus ihrer Not, was sie zum Lobpreis Gottes führte.

Daniel 3, 24b-27

»Da erschrak der König Nebukadnezar und stand ganz verstört auf, hob an und sagte zu seinem Gefolge: Haben wir nicht drei Meister gebunden in das Feuer geworfen? Dem König gab man zur Antwort: Gewiß, o König!

Da antwortete er: Ha, ich gewahre vier Meister ungebunden inmitten des Feuers umhergehen, und es ist nicht einer von ihnen versehrt; das Aussehen des vierten gleicht einem Sohn der Götter.

Dann nahte sich der König Nebukadnezar zur Öffnung des glühenden Feuerofens, hob an und sagte: Sadrach, Mesach und Abednego, ihr Diener des Allerhöchsten, Elah, tretet heraus und kommt her! Da traten Sadrach, Mesach und Abednego mitten aus dem Feuer heraus.

Daraufhin versammelten sich die Satrapen, die Präfekten, die Statthalter und des Königs Gefolge und gewahrten diese drei Meister, über deren Körper das Feuer keine Vollmacht hatte. Ihr Haupthaar war nicht versengt, und ihre Mäntel waren nicht verändert, überdies war kein Brandgeruch an ihnen wahrzunehmen.«

"Und wer ist der Gott, der euch aus meiner Hand erretten wird?" Jetzt kann Nebukadnezar seine Frage selbst beantworten. Der König erkennt sehr rasch, daß er in der Gegenwart dessen steht, der mächtiger ist als er.

Daniel 3, 28-30

»Da hob der König Nebukadnezar an und sagte: Gesegnet sei ihr Elah, der Eine des Sadrach, Mesach und Abednego, welcher Seinen Boten sandte und Seine Diener rettete, die sich auf Ihn verließen, als sie den Spruch des Königs übertraten und ihre Körper dem Feuer preisgaben, um gar keinem anderen Gott zu dienen, noch ihn anzubeten, außer ihrem Elah. Nun soll von mir ein Erlaß ausgehängt werden: Wer aus jedem Volk, Stamm und jeder Zunge achtlos etwas gegen ihren Elah sagt (den Einen des Sadrach, Mesach, und Abednego), soll zerstückelt werden, und sein Haus soll der Beschlagnahme verfallen, weil es keinen anderen Elah gibt, der wie dieser zu bergen vermag.

Dann gab der König dem Sadrach, Mesach und Abednego gutes Gelingen in der Provinz Babylon, beförderte sie und erachtete sie würdig, alle Juden zu regieren, die in seinem Königreich waren.«

Erniedrigung und Segnung gehen Hand in Hand. Der Höhepunkt der Segnungen für Nebukadnezar ist nicht seine Position als Haupt aus Gold. Seine wahre Segnung beginnt mit diesem Ereignis, worauf er sich unter den Höchsten demütigt. Seine spätere Erniedrigung auf die Stufe eines Tieres wird sich als seine wertvollste Erfahrung erweisen.

In seinem Inneren hat sich doch eine Umwälzung vollzogen; wenigstens verstandesmäßig lobt er Gott. Allerdings spricht er nicht von seinem Gott, sondern von dem Sadrachs, Mesachs und Abednegos. Nebukadnezar will eine offenkundige Nichtachtung des Höchsten in seinem Reich nicht mehr dulden. Es wird ihm klar, daß Gott ihm auf religiösem Gebiet nicht die gleichen Rechte wie auf der politischen Ebene verliehen hat. Die Religionsfreiheit war eine nicht zu unterschätzende Segnung für sein ganzes Reich, insbesondere für die Juden, die gerade noch den Feuertod vor Augen hatten.

Nebukadnezars Demütigung

Daniel 3, 31-33

»König Nebukadnezar an alle Völker, Stämme und Zungen, die auf der ganzen Erde weilen: Euer Wohlergehen mehre sich!

Die Zeichen und erstaunlichen Taten, die der Höchste, der Elah, an mir getan hat, geziemt es mir, euch anzuzeigen. Wie groß sind Seine Zeichen! Und wie mächtig sind Seine erstaunlichen Taten! Sein Königreich ist ein äonisches Königreich, und Seine Herrschaft währt von Generation zu Generation.«

Alles Gute, welches Gott Nebukadnezar erwiesen hatte, veranlaßte ihn nicht zur Dankbarkeit. Seine Erfolge schrieb er seiner eigenen Tüchtigkeit zu. Gottes Ziel ist es, in Seinen Geschöpfen alles zu werden, Nebukadnezar dagegen war sich selbst alles, und dies durch eine Position, die Gott ihm gegeben hatte. Um ihn von seiner Selbstüberschätzung zu befreien, stößt Gott ihn für eine bestimmte Zeit von seinem Platz und weist ihm den allerniedrigsten zu. Die Erniedrigung erst machte ihn für die göttliche Güte und Gnade empfänglich. Und dies bekennt Nebukadnezar in einer öffentlichen Bekanntmachung, einem Erlaß an alle Völker.

Daniel 4, 1-6

»Ich, Nebukadnezar, war behaglich in meinem Haus und lebte üppig in meinem Palast, als ich einen Traum gewahrte, der mich erschreckte; Vorahnungen auf meinem Lager und die Gesichte meines Hauptes verstörten mich. Da wurde von mir ein Erlaß ausgegeben, alle Weisen Babylons vor mich zu bringen, damit sie mir die Deutung des Traumes bekanntgäben. Sodann kamen die Weiheschreiber, Magier, Chaldäer und Wahrsager herbei, und ich sagte den Traum vor ihnen an; doch seine Deutung konnten sie mir nicht bekanntgeben.

Bis zuletzt Daniel vor mich trat, dessen Name (gemäß dem Namen meines Gottes) Beltsazar ist und in dem der Geist der heiligen Götter ist, sagte ich den Traum vor ihm an: Beltsazar, Größter der Weiheschreiber! Da ich weiß, daß der Geist der heiligen Götter in dir ist und gar kein Geheimnis dir Not macht, so höre die Gesichte meines Traumes, den ich gewahrte, und sage mir seine Deutung an.«

Nebukadnezar war auf dem Höhepunkt seiner Macht. Das Weltreich war befestigt, Babylon herrliche Hauptstadt. Gott aber hat für alles eine bestimmte Frist gesetzt. Nebukadnezars Ruhe wurde durch einen Traum unterbrochen. Die weisen Räte erkannten sicher die Bedeutung, wagten aber nicht, dem König die Erniedrigung anzusagen, um ihn nicht zu beleidigen. Für Daniel aber, der in der Wahrheit stand, existierten solche Ängste und Rücksichten nicht. Nebukadnezar fühlte sich von ihm nicht gekränkt.

Daniel 4, 7-19

»Nun die Gesichte meines Hauptes auf meinem Lager: Ich schaute - und siehe, eine Eiche mitten auf der Erde, und sie war von ungeheurer Höhe! Die Eiche wuchs hoch und wurde mächtig, so daß ihre Höhe bis an die Himmel reichte und bis an das Ende der gesamten Erde sichtbar war. Ihr Blattwerk war ansehnlich und ihre Frucht reichlich; für alle gab sie Nahrung. Unter ihr fand das Wildgetier des Feldes Schatten, und auf ihren Ästen weilten die Vögel der Himmel; von ihr ernährte sich alles Fleisch.

Ich schaute in den Gesichten meines Hauptes auf meinem Lager - und siehe, ein heiliger Wächter stieg aus den Himmeln herab. Der rief mit Macht, und so gebot er: Haut die Eiche um und schneidet ihre Äste ab! Schüttelt ihr Blattwerk herunter und zerstreut ihre Frucht! Es wandere das Wildgetier fort von dem Platz unter ihr und die Vögel von ihren Ästen. Doch den Stumpf mit seinen Wurzeln laßt in der Erde, aber in Banden von Eisen und Kupfer. Im Grün des Feldes werde er von dem Nachttau der Himmel benetzt! Bei dem Wildgetier sei sein Teil an dem Kraut der Erde! Sein Herz soll sich verändern von dem eines Menschen, und das Herz eines Wildtiers soll ihm gewährt werden. So sollen sieben Zeiten an ihm vorübergehen.

Durch ein entscheidendes Wort der Wächter kommt dieser Bescheid, und durch einen Ausspruch der Heiligen diese Forderung - zu dem Zweck, daß die Lebenden erkennen, daß der Höchste Gewalt über das Königtum des Menschen hat und es gibt, wem Er will, und den Niedrigsten der Menschen dazu einsetzen kann.

Diesen Traum habe ich, der König Nebukadnezar, gewahrt. Nun sage du, Beltsazar, die Deutung an, zumal alle Weisen meines Königreichs mir die Deutung nicht bekanntgeben können. Doch du kannst es, da der Geist der heiligen Götter in dir ist.

Sodann war Daniel (dessen Name Beltsazar ist) eine Zeitlang entsetzt, und seine Gedanken verstörten ihn, bis der König anhob und sagte: Beltsazar, der Traum und seine Deutung verstöre dich nicht! Als Antwort entgegnete Beltsazar: Mein Herr, der Traum gelte denen, die dich hassen, und seine Deutung deinen Feinden!

Die Eiche, die du gewahrtest, die hoch wuchs und mächtig wurde, so daß ihre Höhe an die Himmel reichte und auf der gesamten Erde sichtbar war, deren Blattwerk ansehnlich und deren Befruchtung reichlich war, auf der sich Nahrung für alle fand, unter der das Wildgetier des Feldes weilte und auf deren Ästen sich die Vögel der Himmel niederließen - du bist es, o König, da du herangewachsen und mächtig geworden bist und deine Größe wuchs und bis an die Himmel reichte und deine Gewalt bis an das Ende der Erde.«

Hier erhalten wir ein eindrucksvolles Bild von jenem ersten Weltreich. Nebukadnezar war nicht nur ein großer Eroberer, sondern auch ein großer Herrscher. Er muß einem guten Verwaltungs- und Wirtschaftssystem vorgestanden haben, das allen Frieden, Nahrung und Obdach bot, wie es das reiche Blattwerk und die vielen Früchte zeigen.

Daniel 4, 20

»Daß der König gewahrte, wie ein heiliger Wächter aus den Himmeln herabstieg und gebot: Haut die Eiche um und verheert sie! Doch den Stumpf mit seinen Wurzeln laßt in der Erde, aber in Banden aus Eisen und Kupfer! Im Grün des Feldes werde er von dem Nachttau der Himmel benetzt! Bei dem Wildgetier des Feldes sei sein Teil, bis sieben Zeiten an ihm vorübergehen.«

Nebukadnezar wird nicht infolge eines Regierungsumsturzes entthront, sondern aufgrund eines Rechtsspruchs Gottes. Ein heiliger Wächter gibt den Befehl im Auftrag Gottes.

Es scheint, daß Nebukadnezar damals in eitle Selbstgefälligkeit versunken war, so daß Gott ihm diese Vision sandte. Bisher hatte der König lediglich davon Kenntnis genommen, daß Gott zugleich auch der Herr der Könige ist (Dan. 2, 47). Doch er hatte versäumt, daraus die Konsequenzen für sein persönliches Leben zu ziehen. Darum wurde ihm der heilige Wächter gesandt. Der Wächter - wörtlich: einer der aufweckt - war ein himmlischer Bote.

Der Baum sollte nicht völlig vernichtet werden; sein Stumpf sollte in der Erde verbleiben, jedoch in Banden von Eisen und Kupfer. Damit wird zum Ausdruck gebracht, daß aus dem noch lebenden Stumpf keine Schößlinge entspringen würden, es also keine langsame Genesung geben sollte. So sollen sieben Jahre über ihn dahingehen.

Daniel 4, 21-24

»Dies ist seine Deutung, o König: Es ist die Entscheidung des Höchsten, die meinen Herrn, den König, erreicht; denn man wird dich vom Menschen forttreiben, beim Wildgetier des Feldes wird deine Bleibe sein, mit Kräutern wird man dich füttern wie die Ochsen, und von dem Nachttau der Himmel wirst du benetzt werden. So sollen sieben Zeiten an dir vorübergehen, bis du erkennst, daß der Höchste Gewalt über das Königtum des Menschen hat und es gibt, wem Er will.

Daß geboten wurde, von der Eiche den Stumpf mit seinen Wurzeln in der Erde zu lassen, bedeutet: Dein Königtum wird wieder für dich aufgerichtet werden, wenn du erkennst, daß alle Gewalt aus den Himmeln kommt.

Nur noch dies, o König: Laß dir meinen Rat gefallen und brich mit deinen Sünden durch Gerechtigkeit, und mit deiner Verwerflichkeit durch Gnade gegen Elende, falls deine ruhigen Tage verlängert werden sollen.«

Wer weiß das schon, daß alle Gewalt aus dem Himmel kommt? Zu dieser Erkenntnis sollte Nebukadnezar geführt werden. Mit seinem Runderlaß gab er dies auch allen Völkern bekannt. Aber heute wissen sogar manche Gläubige nicht, daß Gott mit den Menschen so verfährt, wie Er will. Diese Wahrheit ist für viele unbequem, und man spricht lieber darüber, was des Menschen Wille vermag.

Nebukadnezar wähnte sich erfolgreich, doch wir wissen, daß der wahre Grund für seine überragenden Erfolge darin zu suchen ist, daß Gott alles so geplant hatte. Hätte der König anderswo und zu anderer Zeit gelebt, wäre er nie ein so mächtiger Monarch geworden. Hätte Gott nicht gutes Gelingen gegeben, so wäre an Nebukadnezar nicht viel anderes als Sünde und Verwerflichkeit festzustellen gewesen. Des Königs Haltung gegenüber den Elenden war besonders ungerecht; daher sollte er ihnen fortan Gnade erweisen. Der Mangel an Gnade dürfte in Stolz wurzeln, zu dem die in übergeordneter Stellung besonders neigen. Ganz im Gegenteil zu dem kommenden Herrscher, dem Messias, der mit Recht von sich sagen konnte: Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig! (Matth. 11, 29).

 

 

Die Vision erfüllt sich

Daniel 4, 25-30

»All das kam über den König Nebukadnezar, als er am Ende von zwölf Monaten auf dem königlichen Palast in Babylon umherging. Der König hob an und sagte: Ist dieses Babylon nicht großartig, das ich für das königliche Haus in meinem sicher umwehrten Machtgebiet für die Würde meiner Ehre erbaut habe?

Während noch der Ausspruch in des Königs Mund war, fiel eine Stimme aus den Himmeln herab: Dir sei gesagt, König Nebukadnezar, das Königtum wird von dir genommen!

Vom Menschen wird man dich forttreiben, beim Wildgetier des Feldes wird deine Bleibe sein, mit Kräutern wird man dich füttern wie die Ochsen. So sollen sieben Zeiten an dir vorübergehen, bis du erkennst, daß der Höchste die Gewalt über das Königtum des Menschen hat und es gibt, wem Er will.

Zur selben Stunde wurde diese Erklärung an Nebukadnezar vollzogen: Vom Menschen wurde er fortgetrieben, Kräuter aß er wie die Ochsen, und der Nachttau der Himmel benetzte seinen Körper, bis sein Haar so lang wie Geierfedern gewachsen war und seine Nägel wie Vogelkrallen.«

Nebukadnezar hat sicherlich Umsinnung gezeigt, denn sein ruhiges und behagliches Leben währte noch 12 Monate. Im Laufe der Zeit verflüchtigten sich wohl die Vision und die mahnenden Worte Daniels, und sein Herz wurde wieder mit Stolz erfüllt.

Da die Sonne den Tag regiert, sind Jahr und Tag die üblichen Zeitmaße im Buch Daniel. Hier allerdings ist von 12 Monaten die Rede, da der Mond die Nacht beherrscht und Nebukadnezar in eine geistige Nacht versinkt und im übrigen der Mond in der Bibel mit den geistlichen Mächten der Finsternis in Verbindung gebracht wird.

Babylon war eine der prachtvollsten Städte des Altertums mit gewaltigen Bauwerken und Mauern. Jede Mauer soll so breit gewesen sein, daß vierspännige Streitwagen darauf wenden konnten. Zum Palastgebiet gehörten u. a. die sogenannten Hängenden Gärten mit Bäumen und Blumen, welche sich auf 25 m hohen Bogengängen befanden. Der dem Götzen Marduk, der auch Bel genannt wird, errichtete Tempel war eine quadratische Pyramide mit 91,5 m Seitenlänge, die auf der Bauruine des in 1. Mose 11 erwähnten Turmes von Babel errichtet wurde, mit dem die Menschen sich einen Namen machen wollten, woraufhin Jewe ihre Sprache verwirrte und sie über die ganze Erde zerstreute. Oben auf dem Tempelturm, dem Zikkurat Etemenanki des Mardukheiligtums, befand sich eine goldene Bildsäule von etwa 13 m Höhe.

Babylon blieb auch die Welthauptstadt im darauf folgenden medo-persischen und im griechischen Weltreich. In (Off. 17, 18) wird es "die große Stadt" genannt und ist demnach auch Hauptstadt des 4. Weltreiches.

Angesichts dieser prächtigen Stadt, die Nebukadnezar, wie er sagte, für die Würde seiner Ehre erbaut hatte, wurde er hochmütig. Den göttlichen Urteilsspruch über eine so anmaßende Haltung formulierte unser Herr klar und deutlich: "Jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden." (Luk. 14, 11) Über Nebukadnezar erscholl die Stimme: "Dir sei gesagt ..., das Königtum wird von dir genommen!"

Von nun an nächtigte er auf freiem Felde. Keine Dienerschaft ist mehr um sein würdiges Aussehen besorgt; ungepflegt bleiben sein Haar und seine Nägel. Bei jener Geisteskrankheit dürfte es sich um Lykanthropie gehandelt haben. Die Bestandteile dieses Fremdworts sind: lykos = Wolf, und anthropos = Mensch. Der Wahnsinnige benahm sich wie ein Wolf oder anderes Tier.

Die dem Nebukadnezar erteilte Lektion ist für die Fristen der Nationen (Luk. 21, 24) von entscheidender Bedeutung: "Der Höchste hat die Gewalt über das Königtum des Menschen und gibt es, wem Er will." Auch Pontius Pilatus bekam das gesagt, als er ein Übermaß von Betonung auf das Wörtchen "mir" legte: "Mit mir sprichst Du nicht? Weißt Du nicht, daß ich Vollmacht habe, Dich freizulassen, und Vollmacht habe, Dich zu kreuzigen?" Und Jesus antwortete ihm: "Du hättest gar keine Vollmacht über mich, wenn sie dir nicht von oben gegeben wäre" (Joh. 19, 10+11). Dies ist die einzig wahre Haltung eines Menschen Gottes.

Mancher meint, er brauche sich der Regierung nur unterzuordnen, wenn er ihre Handlungsweise für richtig hält. Aber war die Kreuzigung Jesu nicht das allergrößte Unrecht, welches je begangen worden ist? Es gibt keine Obrigkeit außer von Gott (Röm. 13, 1). Mag uns auch ihre Verfahrensweise übel erscheinen, so bleibt doch die kostbare Verheißung bestehen: "Wir aber wissen, daß Gott denen, die Gott lieben, alles zum Guten zusammenwirkt" (Röm. 8, 28). So kann unser Herz in Gottes Frieden ruhen, während wir der Obrigkeit untertan sind.

Der Höchste hat nicht abgedankt zugunsten der Regierungschefs, die heute über die Nationen herrschen. Er macht lediglich Gebrauch von ihnen, um ihr Versagen vor allen Menschen zu demonstrieren. Eigensüchtige Menschen sind nicht geeignet, die Menschen zu regieren. Geradeso wie jeder Sünder einsehen muß, daß er einen persönlichen Retter braucht, so müssen auch die Nationen zur Erkenntnis kommen, daß sie einen politischen Retter brauchen. Christus allein wird gerecht regieren.

Daniel 4, 31-34

»Aber am Ende jener Tage erhob ich, Nebukadnezar, meine Augen zu den Himmeln, und mein Verstand kehrte zu mir zurück. Da segnete ich den Höchsten; den Lebendigen für den Äon pries und ehrte ich, da Seine Gewalt eine äonische Gewalt ist und Sein Königreich von Generation zu Generation währt. Alle, die auf Erden weilen, sind wie nichts zu rechnen. Seinem Willen gemäß verfährt Er mit der Heerschar der Himmel und mit denen, die auf Erden weilen. Tatsächlich kann niemand Seiner Hand wehren und zu Ihm sagen: Was tust Du?

Zum selben Zeitpunkt kehrte mein Verstand zu mir zurück, und zur Würde meines Königreichs kehrte auch meine Ehre und mein früheres Ansehen zu mir zurück. Da suchten mich mein Gefolge und meine höchsten Beamten auf, und über mein Königreich wurde ich in meinen früheren Rang eingesetzt. Ausnehmend war die Majestät, die mir zuerteilt wurde.

Nun preise, erhöhe und ehre ich, Nebukadnezar, den König der Himmel, da all Seine Taten Wahrheit sind und Seine Pfade Recht schaffen; denn alle, die in Hoffart einhergehen, vermag Er zu erniedrigen.«

Gottes Gerichte sind stets zeitlich begrenzt. Er straft auch nie blindlings; stets behält Er das gesegnete Endziel für seine Geschöpfe im Auge.

Als Nebukadnezar seine Augen zu den Himmeln erhob und sein Verstand zu ihm zurückkehrte, segnete er den Höchsten und lobte und ehrte Ihn. Das steht ganz im Gegensatz zu der üblichen Auffassung, daß Gottes Strenge zur Entfremdung seiner Geschöpfe führe. Der König wurde durch das Übel von seiner Hoffart geheilt, wie auch Prediger 1, 13 sagt: "Es ist die Erfahrung des Üblen, welche Gott den Menschensöhnen gibt, um sie dadurch zu demütigen." Wir sind fest davon überzeugt, daß in der Vollendung kein Geschöpf Ihm grollen wird, weil es zur Erkenntnis des Guten und des Bösen geführt wurde. Keines wird in Feindschaft gegen Ihn verharren wollen, kein einziges wird die Aussöhnung mit Ihm ablehnen. Man mag die siebenjährige geistige Umnachtung als Gericht und Strafe für Nebukadnezars Hochmut ansehen, es geschah aber viel mehr: Ihm wurde göttliches Recht verschafft, wie er selbst in Vers 34 sagt. Er wurde nämlich zu einem brauchbaren Werkzeug Gottes gemacht und von seiner Hoffart befreit. "Denn Gott schließt alle zusammen in Widerspenstigkeit ein, damit Er sich aller erbarme" (Röm. 11, 32).

Belsazars Gotteslästerung

Daniel 5, 1-4

»Der König Belsazar machte ein großes Mahl für tausend seiner höchsten Beamten und trank schweren Wein angesichts der Tausend. Als Belsazar den schweren Wein schmeckte, gebot er, die goldenen und silbernen Gefäße herbeizubringen, die sein Großvater Nebukadnezar aus dem Tempel in Jerusalem herausgenommen hatte, damit sie aus ihnen tränken - der König und seine höchsten Beamten, seine Frauen und seine Nebenfrauen. Sodann brachte man die goldenen und silbernen Gefäße herbei, die man aus dem Tempel, dem Haus Elahs in Jerusalem, herausgenommen hatte, und sie tranken aus ihnen, der König und seine höchsten Beamten, seine Frauen und seine Nebenfrauen. Sie tranken den schweren Wein und priesen die Götter aus Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Holz und Stein.«

Belsazar ist der Enkel Nebukadnezars. An ihm zeigt uns Gott, daß Er das Königreich demjenigen auch wieder entzieht, der nicht im Einklang mit Seinem göttlichen Willen handelt. Jewe hatte bereits durch den Propheten Jeremia weissagen lassen, daß das Reich Nebukadnezars in der dritten Generation ein Ende findet: "Alle Nationen werden ihm dienen und seinem Sohn und seinem Sohnessohn" (Jer. 27, 7). In Vers 2 wird Nebukadnezar zwar wörtlich als "Vater" Belsazars bezeichnet, doch sind die Begriffe "Vater" und "Sohn" im Orient sehr weit gespannt. So bezeichneten sich alle Juden Jesus gegenüber als Söhne Abrahams (Joh. 8, 39), und in Matth. 1, 1 wird Jesus Sohn Davids genannt.

Geschichtlichen Überlieferungen zufolge stand die medo-persische Armee vor den Toren Babylons, als dieses Festmahl stattfand. Zur gleichen Zeit beleidigt und lästert der Enkel Nebukadnezars Gott, indem er die heiligen Tempelgefäße entweiht.

Daniel 5, 5-6

»Zur selben Stunde traten Finger einer Menschenhand hervor und schrieben dem Leuchter gegenüber auf die stuckierte Seitenwand des Königspalastes, so daß der König den Rücken der schreibenden Hand gewahrte. Da veränderte sich des Königs Gesichtsfarbe, denn seine Gedanken verstörten ihn, die Bänder seiner Lenden lösten sich, und seine Knie schlugen aneinander.«

Wenngleich Belsazar nicht wußte, was an der Wand geschrieben stand, sagte ihm doch sein Gewissen, daß er zu weit gegangen war.

Daniel 5, 7-9

»Mit Macht rief der König, die Magier, Weiheschreiber, Chaldäer und Wahrsager herbeizubringen. Der König hob an und sagte zu den Weisen Babylons: Jeder Mensch, der diese Schrift lesen und mir ihre Deutung angeben wird, soll in Purpur gekleidet werden und mit einem Goldreif um seinen Hals als Dritter im Königreich Vollmacht haben.

So kamen alle Weisen des Königs herbei; doch konnten sie die Schrift nicht lesen, noch dem König ihre Deutung bekanntgeben. Da wurde der König Belsazar höchst verstört, und seine Gesichtsfarbe veränderte sich, während seine höchsten Beamten vor Schreck erstarrten.«

Belsazar war der zweite Mann im Staat, weshalb er als Belohnung für die Deutung der Schrift den dritten Platz versprach. Er war Mitregent seines Vaters Nabonid, welcher allerdings abwesend war, weil er einen Feldzug gegen das mächtig gewordene Medo-Persien führte.

Daniel 5, 10-12

»Angesichts der Aussprüche des Königs und seiner höchsten Beamten ging nun die Königsmutter in das Haus des Gelages hinein. Die Königsmutter hob an und sagte: O König, lebe für die Äonen! Deine Gedanken sollten dich nicht verstören, und deine Gesichtsfarbe sollte sich nicht verändern. Da ist ein Meister in deinem Königreich, in dem der Geist der heiligen Götter ist. In den Tagen deines Großvaters fand man in ihm einen Strom der Erleuchtung, Einsicht und Weisheit gleich der Weisheit der Götter. König Nebukadnezar, dein Großvater, setzte ihn als höchsten Präfekten über die Weiheschreiber, Magier, Chaldäer und Wahrsager ein, ja er, dein Großvater, o König - weil sich ein außerordentlicher Geist, Wissen und Begabung in der Deutung von Träumen, in dem Aufschluß von Problemen und die Fähigkeit, Knoten zu entwirren, bei ihm fand - bei Daniel, dem der König den Namen Beltsazar gab. Nun lasse man Daniel rufen; denn er wird die Deutung angeben.«

Als alle die weisen Männer mit ihrem Wissen am Ende waren, kam eine Frau und beschämte sie, indem sie ihnen die wahre Quelle der Weisheit zeigte.

Daniel 5, 13-17

»Sodann wurde Daniel vor den König geführt. Der König hob an und sagte zu Daniel: Bist du Daniel, einer von den Söhnen der Verschleppung Judas, die der König, mein Großvater, aus Juda hergebracht hatte? Von dir habe ich gehört, daß der Geist der heiligen Götter in dir ist und man einen Strom der Erleuchtung, Einsicht und außerordentliche Weisheit bei dir findet. Nun hat man die Weisen vor mich gebracht, die Magier und Wahrsager, damit sie diese Schrift lesen und mir ihre Deutung bekanntgeben. Jedoch können sie die Deutung der Sache nicht angeben. Aber von dir habe ich gehört, daß du Deutungen zu geben und Knoten zu entwirren vermagst. Falls du nun die Schrift lesen und mir ihre Deutung bekanntgeben kannst, sollst du in Purpur gekleidet werden und mit einem Goldreif um deinen Hals als Dritter im Königreich Vollmacht haben.

Da hob Daniel an und sagte vor dem König: Deine Ehrengaben mögen bei dir verbleiben, und deine Belohnungen gewähre einem anderen! Aber die Schrift werde ich dem König lesen und ihre Bedeutung ihm bekanntgeben.«

Zweifellos hatte Daniel den Niedergang des Königreichs, wofür dieses Festgelage kennzeichnend war, ebenso aufmerksam beobachtet wie die von außen drohende Gefahr. Für ihn war die greuliche Entweihung der heiligen Gefäße nur eine Bestätigung der Schrift an der Wand.

Daniel 5, 18-28

»Du, o König! Der Höchste, der Eine, Elah, hatte deinem Großvater, Nebukadnezar, Königtum und Majestät, Würde und Ehre gewährt. Und durch die Majestät, die Er ihm gewährte, wurden alle Völker, Stämme und Zungen vor ihm erschüttert und erschreckt. Er richtete hin, wen er wollte, und er erhielt am Leben, wen er wollte. Er erhöhte, wen er wollte, und er erniedrigte, wen er wollte. Doch als sein Herz sich überhob und sein Geist überaus vermessen wurde, hat man ihn von dem Thron seines Königtums gestoßen und seine Würde von ihm genommen. Von den Söhnen der Menschen wurde er fortgetrieben, und sein Herz wurde dem eines Tieres gleich. Bei den Wildeseln war seine Bleibe, mit Kräutern fütterte man ihn wie Ochsen, und sein Körper wurde von dem Nachttau der Himmel benetzt, bis er erkannte, daß der Höchste, Elah, die Gewalt über das Königtum des Menschen hat und darin einsetzt, wen Er will. Doch du, Belsazar, seines Sohnes Sohn, erniedrigst dein Herz nicht vor dem Elah, zumal du dies alles weißt. Über den Herrn, den Elah der Himmel, erhebst du dich, und die Gefäße Seines Hauses hat man für dein Gefolge herbeigebracht. Du und deine höchsten Beamten, deine Frauen und deine Nebenfrauen trinken schweren Wein aus ihnen. Und die Götter aus Silber, Gold, Kupfer, Eisen, Holz und Stein, die nichts gewahren, nichts hören und nichts wissen, diese preist du, doch den Elah, in dessen Hand dein Odem ist und bei dem alle deine Pfade sind, Ihn ehrst du nicht. Von Ihm ist dann der Rücken jener Hand gesandt und diese Schrift eingezeichnet worden.

Dies nun ist die Schrift, die eingezeichnet ist: MNA MNA THUQL UPHURSIN. Und dies ist die Deutung der Sache:

MNA, der Elah hat mit deinem Königreich abgerechnet und wägt es ab.

THUQL, du bist auf der Waage gewogen und als mangelhaft erfunden worden.

PHURS, dein Königreich ist zweigeteilt und es wird den Medern und Persern gewährt werden.«

Für Babylon ist der Zeitpunkt der Abrechnung gekommen, nach geschichtlicher Überlieferung im Jahre 538 v. Chr..

"Gezählt, gewogen und zu leicht befunden" - dieses geflügelte Wort ist seitdem auf unzählige andere Menschen angewendet worden. Und wenn dies für das goldene Reich an seinem Ende schon gilt, wieviel mehr erst für die späteren!

Daniel 5, 29-30

»Sodann kleidete man Daniel auf Belsazars Geheiß in Purpur, mit einem Reif aus Gold um seinen Hals, und man rief über ihn aus, daß er als Dritter im Königreich Vollmacht haben solle.

In derselben Nacht wurde Belsazar, der König der Chaldäer, umgebracht.«

Belsazars Vater Nabonid hatte die Schlacht gegen die Meder und Perser verloren, die nun auch über das Flußbett in die Stadt Babylon eindrangen, nachdem sie, wie man sagt, den Euphrat abgeleitet hatten.

Daniel in der Löwengrube

Daniel 6, 1-3

»Dann erhielt Darius, der Meder, das Königreich im Alter von ungefähr zweiundsechzig Jahren. Es gefiel Darius, über das Königreich 127 Satrapen einzusetzen, die im ganzen Königreich sein sollten, und über ihnen drei Minister (von denen einer Daniel war), denen diese Satrapen ihre Erlasse unterbreiten sollten, damit dem König kein Schaden entstünde.«

Darius, der Meder, der nach der Geschichtsschreibung vorläufig für den Perserkönig Cyrus regierte, baute eine großangelegte Verwaltung auf. Das ganze Imperium wurde in 127 Provinzen eingeteilt. Jede unterstand einem Satrapen, wie man den Provinzgouverneur in Persien nannte.

Darius, der Meder, ist nicht zu verwechseln mit dem Perserkönig Darius I., dem Großen (522 - 486 v. Chr.), der nach Cyrus König war und in den Büchern Esra 4, 5 und Nehemia 12, 22 erwähnt wird.

Daniel erhielt wohl deshalb einen Regierungsposten unter Darius, weil seine Weisheit und Erfahrung weithin bekannt waren und für die neue Regierung nur von Nutzen sein konnten.

 

 

Die Verschwörung gegen Daniel

Daniel 6, 4-10

»Dann zeichnete sich dieser Daniel vor den Ministern und Satrapen aus, weil ein außerordentlicher Geist in ihm war, und der König erwog, ihn über das ganze Königreich einzusetzen.

Nun suchten die Minister und Satrapen gegen Daniel einen Vorwand zur Anklage in Bezug auf die Verwaltung des Königreichs zu finden. Doch sie vermochten gar keinen Vorwand und keinen Grund der Bestechlichkeit zu finden, weil er treu war und gar keine Leichtfertigkeit oder Bestechlichkeit an ihm gefunden wurde.

Da sagten diese Meister: Wir werden gar keinen Vorwand zur Anklage gegen diesen Daniel finden können, es sei denn, wir finden ihn in den Anordnungen seines Elah.

Dann kamen diese Meister und Satrapen geschlossen zu dem König und sagten also zu ihm: O König Darius, lebe für die Äonen! Es haben sich alle beraten, die Minister des Königreichs, die Präfekten und Satrapen, das Gefolge und die Statthalter, eine königliche Verfügung zu erlassen und ein Verbot durchzusetzen, daß jeder, der in dreißig Tagen von irgendeinem anderen - Gott oder Sterblichen - eine Bitte erfleht, außer von dir, o König, in die Löwengrube geworfen werden soll. Nun, o König, mögest du das Verbot erlassen und das Schreiben unterzeichnen, das nicht geändert werden kann, wie ein Edikt der Meder und Perser, das nicht aufgehoben werden darf. Daher unterzeichnete der König Darius das Schreiben und das Verbot.«

Die Neider Daniels umgingen ihn bei der Vorlage des Gesetzentwurfs, und des Königs Urteilsvermögen war durch die Schmeichelei getrübt, so daß er die Folgen seines Erlasses nicht überblickte.

Daniel 6, 11

»Als Daniel erfuhr, daß das Schreiben unterzeichnet war, ging er in sein Haus hinein. Dort waren für ihn die Fenster in seinem Obergemach gen Jerusalem geöffnet. Zu festgesetzten Zeiten, dreimal am Tag, kniete er auf seinen Knien, betete und huldigte seinem Elah, gerade wie er dies zuvor getan hatte.«

Nichts kann einen Gläubigen davon abhalten, Gott anzurufen. Ein Verbot läßt ihn erst recht zu Gott fliehen und Schutz bei Ihm suchen.

Heute haben wir keine festgesetzten Gebetszeiten, denn wir beten im Geist an (Joh. 4, 23) und bringen Gott im Geist Gottesdienst dar (Röm. 1, 9; Phil 3, 3).

Daniel 6, 12+13

»Dann kamen diese Meister geschlossen und fanden Daniel in bittendem Flehen vor seinem Elah. Da nahten sie sich und sagten vor dem König betreffs des Königs Verbot: Hast du nicht ein Verbot unterzeichnet, wonach jeder Sterbliche, der in dreißig Tagen von irgend jemand etwas erfleht, sei es Gott oder ein Sterblicher, außer von dir, o König, in die Löwengrube geworfen werden soll?

Der König antwortete: Die Sache ist gewiß wie ein Edikt der Meder und Perser, das nicht aufgehoben werden darf.«

Geschickt kleideten die Widersacher Daniels ihre Bezichtigung in die Form einer Frage, und der König legte sich nochmals ausdrücklich fest. Jetzt schnappte die Falle zu.

Daniel 6, 14-17

»Da antworteten sie und sagten vor dem König: Daniel, einer von den Söhnen der Verschleppung aus Juda, achtet nicht auf dich, o König, deinen Erlaß, noch auf das Verbot, das du unterzeichnet hast. Zu festgesetzten Zeiten, dreimal am Tag, erfleht er seine Bitten von seinem Gott.

Als dann der König den Sachverhalt hörte, mißfiel es ihm sehr und er richtete sein Herz darauf, Daniel zu retten; bis zum Sonnenuntergang bemühte er sich, ihn zu bergen.

Dann kamen diese Meister geschlossen zum König und sagten zu dem König: Wisse, o König, das Edikt für die Meder und Perser bedeutet, daß keinerlei Verbot oder Verfügung, die der König erläßt, geändert werden darf.

Darauf gebot der König, und man brachte Daniel herbei und warf ihn in die Löwengrube. Der König hob an und sagte zu Daniel: Dein Gott, dem du unaufhörlich dienst - Er wird dich erretten!«

Wie sehr unterschied sich doch das Reich von Silber von dem von Gold! Darius war durch die Gesetzgebung eingeschränkt. Er vermochte auch nicht, seinen besten Beamten vor den Folgen der Verschwörung zu bewahren. Im Bewußtsein seiner eigenen Schwäche und Unfähigkeit wandte er sich an den Gott Daniels. Das ist eines der bemerkenswertesten Glaubensbekenntnisse aus dem Mund eines heidnischen Monarchen: "Dein Gott, dem du unaufhörlich dienst - Er wird dich erretten!" Das hätte selbst Daniel mit dieser Bestimmtheit kaum zu behaupten gewagt; schließlich steht es Gott frei, auch anders zu handeln.

Daniel 6, 18-23

»Dann brachte man einen Stein herbei und legte ihn auf die Öffnung der Grube. Der König versiegelte ihn mit seinem Siegelring und mit den Siegelringen seiner höchsten Beamten, damit die Entscheidung über Daniel keine Änderung erfahre.

Sodann begab er sich in seinen Palast und blieb fastend in seinem Haus. Wiewohl sein Schlaf ihn floh, wurde keine Zerstreuung vor ihn gebracht. Elah jedoch verschloß den Rachen der Löwen, und sie taten Daniel nichts zuleide.

In der Morgenröte stand der König dann bei Tagesanbruch auf. Verstört begab er sich zur Löwengrube. Als er sich der Grube nahte, rief er mit angstvoller Stimme laut nach Daniel. Der König hob an und rief Daniel zu: Daniel, Diener des lebendigen Gottes, dein Gott, dem du unaufhörlich dienst, Er vermochte dich doch von dem Rachen der Löwen zu erretten? Da sagte Daniel zum König: O König, lebe für die Äonen! Mein Elah sandte Seinen Boten und verschloß den Rachen der Löwen, so daß sie mich unversehrt ließen, weil ich vor Ihm lauter erfunden bin; und auch vor dir, o König, habe ich kein Unrecht getan.«

Als Daniel herauskam, war er völlig unverletzt, weil er Gott geglaubt hatte, daß dieser - wie auch immer - nach dem Ratschluß Seines Willens handeln werde. Damit gehört Daniel zu der großen Wolke von Zeugen (Hebr. 12, 1), deren Taten in der Geschichte des Glaubens verzeichnet sind. Hebr. 11, 33 erwähnt diesen Propheten, der durch Glauben "der Löwen Rachen verstopfte".

Daniel 6, 24-29

»Da fühlte sich der König sehr erleichtert und gebot, Daniel aus der Grube heraufzuziehen. Als Daniel aus der Grube heraufgezogen war, da fand man ihn ganz unversehrt, weil er seinem Elah geglaubt hatte. Hierauf gebot der König, und man brachte diese Meister, die Daniel verleumderisch verklagt hatten, herbei und warf sie in die Löwengrube, samt ihren Frauen und ihren Söhnen. Ehe sie den Boden der Grube erreichten, bemächtigten die Löwen sich ihrer und zermalmten ihnen alle Knochen.

Da schrieb der König Darius an alle Völker, Stämme und Zungen, die auf der ganzen Erde weilen: Euer Wohlergehen mehre sich! Von mir geht dieser Erlaß aus, daß man in dem gesamten Vollmachtsgebiet meines Königreichs erschüttert werde und erschrecke vor dem Gott Daniels; denn Er ist der lebendige Gott und bleibt für die Äonen. Sein Königreich wird unversehrt bleiben und Seine Vollmacht bis zum Ende bestehen. Er errettet und birgt, tut Zeichen und erstaunliche Taten in den Himmeln und auf der Erde, denn Er errettete Daniel aus den Pranken der Löwen.

Diesem Daniel gedieh alles unter der Regierung des Darius und unter der Regierung des Persers Cyrus.«

Gott wendete das Böse zum Guten. Die intriganten Machenschaften führten zur Verherrlichung Gottes in der ganzen Welt. Das sind die unausforschlichen Wege Gottes. Vor dem Hintergrund niederträchtiger Motive macht Er Seine Weisheit und Macht für alle Menschen erkennbar.

 

Die vier gewaltigen Tiere

Daniel 7, 1-8

»Im Jahr eins Belsazars, des Königs von Babylon, gewahrte Daniel einen Traum, Gesichte seines Hauptes auf seinem Lager. Sodann schrieb er den Traum nieder, indem er die Hauptpunkte des Sachverhalts berichtete. Daniel hob an und berichtete:

Ich gewahrte in meinem Gesicht in der Nacht: und siehe, vier Winde der Himmel ließen das große Meer aufschäumen, und vier gewaltige Tiere stiegen aus dem Meer, jedes von dem anderen verschieden.

Das östliche war einer Löwin gleich, und sie hatte Flügel eines Geiers. Ich gewahrte sie, bis ihre Flügel ausgerauft wurden; und sie wurde von der Erde erhoben, wie eine Sterbliche auf ihre Füße gestellt, und ihr wurde das Herz einer Sterblichen gegeben.

Und siehe, ein anderes Tier, ein zweites, einer Bärin gleich; sie war nur auf einer Seite aufgerichtet und hatte drei Rippen in ihrem Rachen zwischen ihren Zähnen. Und so wurde ihr geboten: Richte dich auf! Friß sehr viel Fleisch!

Danach gewahrte ich: und siehe, ein anderes Tier, einer Leopardin gleich, sie hatte auf ihrem gewölbten Rücken vier Flügel eines Flüglers; auch hatte das Tier vier Köpfe, und ihr wurde Vollmacht gegeben.

Danach gewahrte ich in den Nachtgesichten: und siehe, ein viertes Tier, erschreckend, furchtbar und ungemein mächtig; es hatte gewaltige Zähne aus Eisen, fraß, zermalmte und zertrat den Rest mit seinen Füßen; es war von all den Tieren, die östlich vor ihm waren, verschieden, und es hatte zehn Hörner.

Während ich auf die Hörner achtgab, siehe, da kam ein anderes, kleines Horn zwischen ihnen auf; und vor ihm wurden drei der östlichen Hörner ausgerissen. Und siehe, Augen wie die Augen eines Menschen waren an diesem Horn, und ein Mund, der vermessene Reden führte. Und mit den Heiligen führte es Krieg.«

Vier gewaltige Tiere werden uns genannt, und unwillkürlich stellen wir uns vor, daß jedes dieser Tiere das andere überwindet, um somit eine Verbindung zu den vier Weltreichen herzustellen, die Daniel in dem Gesicht der metallenen Bildsäule beschreibt. Wenn wir aber weiterlesen, so erfahren wir, daß diese Tiere gleichzeitig existieren und kein Tier dem anderen etwas zuleide tut, so daß deren Existenz bedroht wäre. Zum Schluß stehen alle vor dem "Großen Weißen Thron" Gottes, wobei das vierte, schrecklichste Tier umgebracht wird, während die drei anderen lediglich ihrer Vollmacht entledigt werden, aber für eine festgesetzte Frist weiterleben. Daher wäre es irreführend, diese vier Tiere mit den vier Weltreichen in Verbindung zu bringen!

Die Tiere werden zwar als Königreiche beschrieben (Daniel 7, 17), doch handelt es sich hierbei vor allem um religiöse Machtblöcke. Denn nicht vier Weltreiche bestehen gleichzeitig auf der Erde, sondern vier Weltreligionen. Schließlich wendet sich der König der Endzeit nicht gegen eine andere Nation, sondern gegen Gott und Seine Heiligen. Es erhebt sich die menschliche Religion unter Satans Führung gegen die göttliche Religion unter Christi Herrschaft. Auch der Messias übt in seinem tausendjährigen Königreich politische und religiöse Macht aus. Der Begriff Königreich kann also nicht auf das Politische beschränkt werden, wie das Königreich Christi zeigt.

Die vier mächtigen Tiere aus Daniel 7 werden also miteinander über die ganze Erde Gewalt ausüben. Sie verkörpern zusammengenommen das wilde Tier der Endzeit von Offenbarung 13, 7+8, den Antichristus, der die Weltherrschaft hat. Es vereinigt nach Offenbarung 13, 2 die Eigenschaften eines Löwen, eines Bären und eines Leoparden in sich, hat die zehn Hörner des vierten Tieres und die sieben Köpfe aller Tiere zusammen. (Nach Daniel 7, 6 hat das dritte Tier vier Köpfe; dazu kommen die drei Köpfe der drei anderen.) Jedes Volk, jedes Land und jeder Stamm der gesamten Erde wird der Herrschaft dieses wilden Tieres unterworfen sein. Alle zu diesem Zeitpunkt lebenden Menschen, deren Namen nicht in der Rolle des Lebens verzeichnet sind, werden es anbeten.

Die Vision ist deshalb vornehmlich unter dem religiösen Aspekt zu betrachten, weil es dem Drachen (Satan), der dem wilden Tier die Vollmacht gibt, um die Anbetung geht, die Jesus Christus ihm verweigerte (Off. 13, 4; Luk. 4, 5+6). Darauf deutet auch hin, daß das wilde Tier in der Offenbarung nur im Tempelabschnitt auftritt (Off. 11, 19 bis 20, 15), welcher die religiöse Erlösung der Erde zum Thema hat. Es fällt auf, daß die vier "Bestien" sich nicht einander überwinden, sondern bestehen bleiben bis zum Schluß (Daniel 7, 12), im Gegensatz zu den vier politischen Weltreichen, wo jedes Reich vergeht, wenn das nächste folgt.

Das östliche Tier (vom Sonnenaufgang her gesehen und von der hebräischen Schreibweise, die am rechten Blattrand beginnt), das erste und vorderste Tier, die Löwin, stellt den Buddhismus dar. Das zweite Tier (von Osten), die Bärin, steht für den Hinduismus, das dritte Tier, die Leopardin, für den Islam, und das westliche, das vierte und schreckliche Tier, symbolisiert das glaubenslose Christentum.

Die Tiere sind alle weiblich. Die weibliche Form wird augenscheinlich dann vorgezogen, wenn es sich um Redefiguren auf religiösem Gebiet handelt.

Das Meer (Vers 2) ist in der Schrift stets Sinnbild der Völker der Erde.

Die vier Winde (Vers 2) sind vier böse Geister, die vom Himmel her die religiösen Machtblöcke (dargestellt durch die vier Tiere) unter die Menschheit bringen. Das Wirken eines solchen Geistes ist an Mohammed sichtbar, der in Trancezuständen von einem Geist Botschaften empfing. Der Islam ist auch ein Beispiel für die Verquickung politischer und religiöser Macht, ebenso wie das europäische Mittelalter.

Daniels Vision zeigt uns, daß die Menschheit den geistlichen Mächten der Bosheit ausgeliefert ist. Sie alle aber, ja der Widerwirker selbst, sind Werkzeuge in der Hand des allmächtigen und weisen Gottes, des alleinigen Unterordners, der alles zum Guten zusammenwirkt (Röm. 8, 28).

Flügel befähigen Tiere, leicht und schnell Hindernisse zu überwinden. Das ist ein Hinweis auf den Islam und den Buddhismus.

Der Islam, dargestellt durch die Leopardin, hat bis auf den heutigen Tag eine überaus schnelle Verbreitung gefunden. Die vier Köpfe der Leopardin dürften die vier rechtswissenschaftlichen Zweige des Islam darstellen.

Der Buddhismus, dargestellt durch die Löwin, verließ Indien und bewegte sich schnell nach Ostasien, breitete sich dann aber nicht mehr aus. Seine jetzige Flugunfähigkeit wird durch die ausgerauften Federn verdeutlicht. Von allen Religionen ist der Buddhismus noch die menschlichste. Großer Wert wird auf das sittliche und ethische Verhalten gelegt, was in Vers 4 sehr passend geschildert wird durch das Menschenherz, das der Löwin gegeben wurde.

Im Hinduismus nimmt die Priesterkaste der Brahmanen die beherrschende Stellung ein und lebt auf Kosten der drei anderen gesellschaftlichen Hauptkasten. Ein besseres Bild als die drei Rippen im Maul der Bärin gibt es dafür nicht. Daß die Bärin nur auf eine Seite gestellt ist, gibt wieder, daß die brahmanische Priesterkaste als einzige hochgestellt ist.

Halten wir also fest:

1. Die vier Tiere sind nicht mit den vier Weltreichen in Verbindung zu bringen.

2. Die vier Tiere symbolisieren in erster Linie vier religiöse Machtbereiche.

3. Sie bestehen gleichzeitig nebeneinander und keines überwindet das andere.

4. Sie werden alle zusammen durch das Tier aus Off. 13, 1+2 verkörpert.

(Die Verse 9-14 werden wegen des Zusammenhangs erst am Ende des Kapitels erläutert.)

Daniel 7, 15-20

»Mein Geist in meinem Inneren war beunruhigt, und mich, Daniel, mich verstörten die Gesichte meines Hauptes. So nahte ich mich einem der Dastehenden und erbat von ihm Gewißheit über dies alles. Da sprach er zu mir und gab mir die Deutung der Sache bekannt:

Diese großen Tiere - die vier - sind vier Königreiche, die auf der Erde erstehen. Die Heiligen des Allerhöchsten jedoch werden das Königreich erhalten und das Königreich schützen bis auf den Äon, ja, bis auf den Äon der Äonen.

Dann wollte ich Gewißheit über das vierte Tier, das von allen anderen verschieden und ungemein schrecklich war; seine Zähne waren aus Eisen und seine Klauen aus Kupfer; es fraß, zermalmte und zertrat den Rest mit seinen Füßen. Auch wünschte ich Sicheres über die zehn Hörner auf seinem Kopf zu hören, auch über das andere Horn, das aufkam und vor dem die drei ausgefallen waren, es hatte Augen und einen Mund, der vermessene Reden führte, - dieses Horn, das größer anzusehen war als seine Gefährten.«

Die Hörner eines Tieres sind meist ein Hinweis auf seine Kraft und seinen Angriffsgeist. "Horn" bedeutet in der Bibel "Macht". Die zehn Hörner stellen zehn mächtige christliche Nationen dar. Das kleine Horn bringt drei der östlichen Hörner zu Fall, es nimmt dann an Größe zu und übertrifft bald die anderen. Es bekommt Augen und einen Mund. Das besagt, daß es nicht nur eine politisch-religiöse Macht, sondern darüber hinaus auch eine außerordentliche Persönlichkeit darstellt, auch "Mensch der Gesetzlosigkeit" (2. Thess. 2, 3) und "Antichrist" (1. Joh. 2, 18) genannt. Auf seine Veranlassung hin wird die Vernichtung der Heiligen Gottes beschlossen, weil sie es sind, die das tausendjährige Königreich empfangen sollen (Vers 18). Während der zweiten Hälfte der siebzigsten Jahrwoche sind sie in seine Hand gegeben. Er wird ihren Gottesdienst verbieten und das Halten von Tagen und Festen untersagen, denn es heißt von ihm, daß er das Edikt ändern wolle (Vers 25).

Das glaubenslose Christentum, das den Menschen erhöht, ist schrecklicher und furchtbarer als jedes andere Tier, von denen keines eiserne Zähne und kupferne Klauen hat. Die christliche Welt einschließlich der russisch-orthodoxen hat die meisten Waffen. Sie ist die mechanisierte und automatisierte Zerstörung selbst und wird durchaus die ganze Welt beherrschen können. Und das Ziel einer Welteinheitsreligion wird im Christentum bereits intensiv angestrebt.

Daniel 7, 21-27

»Und ich gewahrte, wie dasselbe Horn einen Angriff auf die Heiligen unternahm und sie zu überwältigen vermochte, bis der Verfüger über Tage kam und den Heiligen des Allerhöchsten Recht gewährte und die verordnete Zeit erreicht war, wo die Heiligen das Königreich schützten.

So sprach er zu mir: Das vierte Tier ist ein viertes Königreich auf der Erde, das von allen drei anderen Königreichen verschieden ist. Es wird die ganze Erde verzehren, sie dreschen und sie zermalmen. Die zehn Hörner bedeuten, daß aus ihm, diesem Königreich, zehn Könige erstehen werden; und noch ein anderer wird nach ihnen aufstehen. Der ist von den östlichen verschieden; er wird drei Könige erniedrigen und vermessene Reden führen mit Erklärungen gegen den Allerhöchsten, den Heiligen des Allerhöchsten wird er Zersetzung bringen und darauf ausgehen, verordnete Zeiten und das Edikt zu ändern. Sie werden seiner Hand für eine Frist und zwei Fristen und eine halbe Frist preisgegeben. Dann wird das Gericht sich setzen, und man wird seine Gewalt aufheben, um sie bis zum Ende zu vertilgen und zu vernichten.

Danach wird das Königreich, die Gewalt und die Majestät des Königreichs unter allen Himmeln dem Volk der Heiligen des Allerhöchsten gewährt. Sein Königreich ist ein äonisches Königreich, und alle anderen Gewalten werden Ihm dienen und hörig sein.«

Daniel 7, 9-14 (Wegen des Zusammenhanges werden diese Verse erst hier betrachtet.)

»Ich schaute zu, bis Thronsessel hingestellt wurden und der Verfüger über Tage sich setzte: Seine Kleidung war gebleicht wie Schnee und das Haar Seines Hauptes wie reine Wolle; Sein Thron war eine Feuerflamme und seine Räder ein sprühendes Feuer. Ein feuriger Strom floß und ging von ihm aus; tausend Tausende dienten Ihm und zehntausend Zehntausende standen vor Ihm. Das Gericht setzte sich, und Schriftrollen wurden aufgetan.

Dann schaute ich zu, wegen des Lärms der vermessenen Reden, die das Horn führte, bis ich dann gewahrte, wie das Tier getötet, sein Körper umgebracht und es dem glühenden Feuer preisgegeben wurde. Auch den übrigen Tieren wurde ihre Vollmacht genommen, jedoch wurde ihnen eine Verlängerung ihres Lebens bis zur verordneten Zeit und Frist gewährt.

Während ich noch die Nachtgesichte gewahrte, siehe, da kam mit den Wolken der Himmel einer wie eines sterblichen Sohn. Er kam zu dem Verfüger über Tage und wurde nahe zu Ihm gebracht. Dann wurde Ihm Vollmacht, Würde und ein Königreich gewährt, und alle Völker, Stämme und Zungen sollen Ihm dienen. Seine Vollmacht, eine äonische Vollmacht, wird nicht vergehen, und Sein Königreich wird unbegrenzt sein.«

Daniel 7, 28

»Hier ist das Ende des Sachverhalts. Mich, Daniel, verstörten meine Gedanken sehr, und meine Gesichtsfarbe veränderte sich an mir, doch ich bewahrte den Sachverhalt in meinem Herzen.«

Daniel schaute eine Gerichtssitzung, die beim Abschluß der Endzeit stattfindet. Nach der Schrift ist Gericht verbunden mit reinem Weiß und Feuer. Weiß ist die Farbe der Reinheit und des Lichts. Feuer reinigt und läutert am gründlichsten, und ist gleichermaßen auch Sinnbild der Verurteilung zum Tode. Selbst die Werke der Heiligen müssen durch das Feuer hindurch (1. Kor. 3, 15).

Die vier Weltreligionen werden von geistlichen Mächten der Finsternis regiert, die sich gegen die Anbetung Gottes auflehnen. Ihre Frömmigkeit wird darin gipfeln, am Ende den Menschen der Gesetzlosigkeit anzubeten, der bestrebt ist, den Platz Gottes einzunehmen. Die Erde ist die Schaubühne des Weltalls. Auf ihr spielt sich das Drama der Äonen ab. Die Menschheitsgeschichte ist das Anschauungsobjekt zur Belehrung aller Geschöpfe. Bei dem Gericht wird Gott den Überhimmlischen in Seiner Macht und Größe enthüllt, denn 1 Million überhimmlischer Geschöpfe dienen Ihm und 100 Millionen stehen vor Ihm.

Die tragische Geschichte menschlicher Abtrünnigkeit wird der dunkle, aber beste Hintergrund für uns, die Glieder der Körperschaft Christi, sein, vor dem der Lichtglanz der Gnade Gottes besonders hell leuchtet. Wir sind Botschafter Seiner Liebe und Weisheit, die wir den Fürstlichkeiten und Obrigkeiten inmitten der Überhimmlischen in den beiden kommenden Äonen darstellen werden (Eph. 2, 7 + 3, 10).

Die ungeheuerlichen Reden des Horns scheinen der Höhepunkt der Gerichtssitzung zu sein. Sie sind zweifellos eine Zusammenfassung all dessen, was die Tiere zu sagen haben, und enthüllen ihren wahren Charakter. Nach 2. Thess. 2, 4 überhebt sich der Antichristus über alles, was Gott genannt wird und Gegenstand der Verehrung ist, er setzt sich in den Tempel Gottes und sucht zu erweisen, daß er Gott sei.

Der hier gefällte Rechtsspruch unterscheidet zwischen dem vierten (westlichen) Tier und den drei anderen (östlichen) Tieren, also zwischen dem christuslosen Christentum und den östlichen Religionen. Den letzteren wird eine Verlängerung ihres Lebens bis zu einem späteren Zeitpunkt gewährt, während das westliche Tier sofort vernichtet wird.

Die östlichen Religionen haben keine oder nur eine geringe Kenntnis von den Enthüllungen Gottes. Deshalb sendet der Herr während der Zeit des tausendjährigen Königreiches jüdische Missionare mit der Anweisung aus: "Macht alle Nationen zu Jüngern" (Matth. 28, 18-20). Deshalb ist den "übrigen Tieren" eine Verlängerung ihrer Lebensdauer gewährt, wenngleich ihnen die Vollmacht genommen wird (Daniel 7, 11+12).

Während des messianischen Königreiches gibt es keine anderen politischen Königreiche, wie wir an der metallenen Bildsäule von Kap. 2 gelernt haben, die durch den Stein völlig zertrümmert wurde. Auch hier zeigt sich wieder, daß die Tiere von Kap. 7 keine politischen Königreiche sind.

Der Widder und der Ziegenbock

Daniel 8, 1+2

»Im dritten Jahr der Regierung des Königs Belsazar erschien mir ein Gesicht - mir, Daniel - nach jenem, das mir zu Beginn erschienen war. Als ich das Gesicht sah, war es mir beim Hinschauen, als ob ich in der Burg Susa war, die in der Provinz Elam liegt, und ich sah in dem Gesicht, daß ich am Ulai-Kanal war.«

Das dritte Regierungsjahr Belsazars war sein letztes. Das Ende Babylons und der Aufstieg Persiens standen bevor. Das Goldene Haupt Babylon wird Vergangenheit, die silberne Brust Persien erlangt die Macht. Die Welt war 538 v. Chr. im Umbruch.

Die Vision weist zunächst in die nahe Zukunft, dann aber in die Endzeit. Nur die bedeutendsten Weltreiche bzw. Welteroberer werden Daniel vor Augen geführt. Zuerst Medo-Persien, dann Alexander der Große und seine vier Generäle, danach die geringere Macht der siebenjährigen Endzeit.

Da das Erscheinen der neuen Weltmacht Persien unmittelbar bevorsteht, findet sich Daniel in dessen Hauptstadt Susa in der Provinz Elam wieder.

Daniel 8, 3+4

»Dann hob ich meine Augen auf und sah, und siehe, ein Widder, der zwei Hörner hatte, stand vor dem Kanal. Beide Hörner waren erhaben, jedoch war das eine erhabener als das zweite, und das erhabenere stieg zuletzt auf.

Danach sah ich den Widder westwärts, nordwärts und südwärts vorstoßen, und keins der Tiere konnte vor ihm bestehen, auch gab es keine Bergung aus seiner Hand, und er handelte, wie es ihm beliebte, und er erhob sich hoch.«

Daniel 8, 20 (Erklärung)

»Der Widder, den du gesehen hast, der die beiden Hörner besaß, ist das Königreich Medien und Persien.«

Die zwei Hörner stellen Medien und Persien dar; der Widder das medo-persische Weltreich.

Daniel 8, 5-8

»Während ich ihn betrachtete, siehe, da kam ein Ziegenbock von Westen über die Fläche der gesamten Erde, doch berührte er die Erde nicht. Der Ziegenbock hatte ein augenfälliges Horn zwischen seinen Augen und kam bis zu dem Besitzer der beiden Hörner, dem Widder, den ich vor dem Kanal hatte stehen sehen. Er rannte wütend mit all seiner Kraft auf ihn zu, und ich sah ihn den Widder seitlich erreichen. Er war über ihn verbittert, stieß den Widder und zerbrach seine zwei Hörner. In dem Widder war keine Kraft, um vor ihm zu bestehen; so warf er ihn zu Boden und zertrat ihn; und niemand kam, um den Widder aus seiner Hand zu bergen.

Hierauf wurde der Ziegenbock überaus groß. Als er am stärksten war, wurde das große Horn zerbrochen und vier andere augenfällige Hörner stiegen an seiner Statt nach den vier Winden der Himmel auf.«

Daniel 8, 21+22 (Erklärung)

»Der haarige Ziegenbock ist das Königreich Griechenland. Das große Horn, das zwischen seinen Augen war, es ist der erste König. Daß dieses zerbrach und vier an seiner Statt aufstanden, bedeutet: Vier Königreiche aus seiner Nation werden aufstehen, jedoch nicht in seiner Kraft.«

Eine treffendere Schilderung der Eroberungszüge Alexanders des Großen ist kaum möglich. Alexander wurde 356 v. Chr. geboren und regierte von 336 - 323 v. Chr.. Er marschierte ostwärts nach Indien und westwärts nach Ägypten. 333 v. Chr. schlug er bei Issus den Perserkönig Darius III. Nur 13 Jahre brauchte er zur Errichtung seines Imperiums. Alexander bedauerte zutiefst, dass es danach nichts weiter zu erobern gab. Das Reich des Griechenkönigs wurde nach seinem Tod unter seinen vier Generälen aufgeteilt (den vier Diadochen), von denen einer über Syrien, der zweite über Ägypten, der dritte über Kleinasien und der vierte über Mazedonien herrschte.

Daniel 8, 9

»Aus einem von ihnen kam ein kleineres Horn hervor, das außerordentlich groß gegen das Südland, gegen Osten und gegen das prächtige Land hin wurde.«

Daniel 8, 23 (Erklärung)

»In der letzten Zeit ihres Königtums, wenn die Übertreter zum Ende kommen, wird ein König von starker Persönlichkeit aufstehen, der sich auf Ränke versteht.«

Unvermittelt werden wir in die Endzeit versetzt, ebenso wie auch die metallene Bildsäule (Gold-Silber-Kupfer-Eisen) die Zwischenzeit übergeht, da keine die ganze Welt beherrschende, also mit dem Königreich des Messias vergleichbare Macht vorhanden ist.

Der jüdische Historiker Josephus Flavius behauptete, dieser Teil der Vision sei mit dem Auftreten des Königs Antiochus Epiphanes (175 - 164 v. Chr.) erfüllt worden, dessen Hellenisierungspolitik 167 v. Chr. den Makkabäer-Aufstand veranlaßte. Er übersah aber, daß die Verfolgung unter Antiochus nur 3 Jahre dauerte, wogegen der bei Daniel genannte Zeitabschnitt 3,5 Jahre währt. Außerdem erfolgte auf Antiochus auch nicht das Kommen des Christus mit der Errichtung des Königreiches. Schließlich sprach unser Herr bezüglich des Greuels der Verödung, den Daniel prophezeit hatte, als von einem zukünftigen Ereignis (Matth. 24, 15).

Daniel 8, 10-12

»Das Horn wuchs bis zum Heer der Himmel empor, und einige von dem Heer und einer von den Sternen wurde auf die Erde geworfen, und er zertrat sie. Ja, bis zum Fürsten des Heeres erhob er sich hoch, und durch ihn wurde das beständige Ritual aufgehoben, und alles, was zur Stätte Seines Heiligtums gehörte, niedergeworfen; und dem Horn wurde ein Heer gegeben, um gegen das beständige Ritual zu freveln. So warf er die Wahrheit zu Boden. Dies verübte er und es gelang ihm.«

Daniel 8, 24+25 (Erklärung)

»Seine Kraft ist überaus stark, aber nicht durch seine eigene Kraft. Er wird außerordentlich im Verderben sein, und sein Tun wird gelingen. So wird er die Starken und das Volk der Heiligen verderben. Infolge seiner Klugheit wird ihm aller Betrug durch seine Hand gelingen. In seinem Herzen wird er sich selbst großtun, und während sie unbesorgt sind, wird er viele verderben. Gegen den Fürsten der Fürsten wird er sich stellen, doch auf dem Endpunkt seiner Macht wird er zerbrochen werden.«

Hier wird der Mensch der Gesetzlosigkeit, der Antichristus, beschrieben. Seine Kraft ist gewaltig, aber nicht von ihm selbst, denn "ihm gab der Drache seine Macht und seinen Thron und große Vollmacht" (Off. 13, 2). Da Satan ein Drittel des Heeres des Himmels beherrscht (Off. 12, 4) und seine Macht dem Horn gibt, ist der Antichristus ebenso mächtig. Der neue Weltbeherrscher wird das beständige Ritual, ja die Ausübung jeder Verehrung Jewe Elohims im Heiligtum, verbieten, denn Vollmacht von Satan über alle Nationen bekommt nur der, der ihn anbetet, wie wir aus dem Bericht über die Versuchung unseres Herrn wissen (Luk. 4, 6+7). Als Repräsentant Satans unterbindet der Antichristus jede andere Anbetung.

Daniel 8, 13+14

»Dann hörte ich einen Heiligen reden. Und ein anderer Heiliger sagte zu dem Betreffenden, der redete: Bis wann gilt das Gesicht von dem beständigen Ritual - dem Aufhören des Opfers - und dem entsetzlichen Frevel, da die heilige Stätte und das Heer der Zertretung dahingegeben ist? Er antwortete ihm: Bis zu 2300 Abend-Morgen, dann wird die heilige Stätte gerecht erfunden werden.«

Daniel 8, 26a (Hinweis)

»Das Gesehene, das Abend- und Morgen-Ritual, von dem dies gesagt wird, es ist Wahrheit!«

Wann wird nach der Unterbindung des Rituals die Verehrung Gottes im Heiligtum wieder aufgenommen? Die Heiligen in Israel haben ein brennendes Interesse, dies zu erfahren. Nicht schon beim Kommen des Messias nach 1260 Tagen, sondern nach insgesamt 2300 Tagen, also nahezu 3 Jahren nach Seiner Wiederkunft, wird der Tempel wieder als "gerecht" erfunden und eingeweiht werden.

In der Mitte der letzten Jahrwoche wird der Antichristus die Anbetung Gottes verbieten, sich selbst in den Tempel setzen, sagen, er sei Gott (2. Thess. 2, 4), und die Heiligen Israels verfolgen (Daniel 7, 25). Jetzt wissen die Gläubigen in Israel, daß es noch 1260 Tage oder 42 Monate oder 3,5 Jahre dauert bis zur Wiederkunft des Messias.

Nach 1290 Tagen wird das tägliche Opfer wieder aufgenommen (Daniel 12,11), also 30 Tage später.

Weitere 45 Tage später, nach 1335 Tagen, erfolgt (nach Daniel 12, 12+13; Off. 20, 5; Joh. 5, 29) die Auferstehung der Gläubigen Israels. Das ist verständlich, denn wenn sie sofort bei der Ankunft des Messias auferweckt würden, würde sich ihnen ein Bild der Verwüstung und Zerstörung, der Verödung und des Jammers bieten.

Übersicht über die Ereignisse am Anfang des tausendjährigen Königreichs:

Nach 2300 Tagen wird die neue Weihestätte gemäß den vom Propheten Hesekiel in den Kapiteln 40 bis 43 geschauten Bauplänen errichtet sein und eingeweiht werden.

Daniel 8, 15-17

»Und es geschah, als ich, Daniel, das Gesicht gesehen hatte und es noch zu verstehen suchte, siehe, da stand einer vor mir, der das Aussehen wie das eines Mannes hatte.

Dann hörte ich eine menschliche Stimme zwischen den Ufern des Ulai-Kanals, und sie rief: Gabriel, mache diesem Menschen das Gesehene verständlich! Da kam er und stellte sich neben mich. Als er daherkam, erschrak ich und fiel auf mein Angesicht. Da sagte er zu mir: Verstehe, Menschensohn, denn das Gesicht bezieht sich auf die Endzeit.«

Daniel 8, 26b (Hinweis)

»Du aber verwahre das Gesicht; denn es gilt für viele Tage.«

Zum Verständnis des Gesichts ist es wichtig zu wissen, daß es sich auf die Endzeit bezieht. Es gilt für viele Tage, wird also einen langen Zeitraum Verheißung sein.

"Verwahre das Gesicht" - was ist damit gemeint? Die Endzeit kommt nicht alsbald nach der Aufteilung des Weltreiches Alexanders des Großen, sondern zunächst müssen die Geheimnisse, von denen der Herr gesprochen hat wie auch Paulus, geoffenbart werden, jene Geheimnisse, die dem Propheten Daniel nicht enthüllt wurden: Das Geheimnis der Verstockung Israels bei der Ankunft des Messias (Matth. 13, 11; Römer 11, 25) und das Geheimnis der gegenwärtigen Verwaltung der Gnade (Eph. 3, 2+8+9) wären wohl über die Fassungskraft Daniels gegangen, und sie wären dann auch keine Geheimnisse mehr gewesen.

Diese Geheimnisse sollten noch verborgen bleiben. Es war aber notwendig, Israel das Königreich in allen Einzelheiten vor Augen zu führen, und dem auserwählten Volk zu zeigen, wie unwürdig es sich seiner Segnungen verhält.

Daniel 8, 18+19

»Als er so mit mir sprach, wurde ich wie betäubt und sank mit meinem Angesicht zur Erde nieder. Da rührte er mich an und stellte mich wieder aufrecht auf meinen Platz. Dann sagte er: Siehe, ich will dir bekanntmachen, was in der letzten Zeit der Drangsal den Söhnen eures Volkes geschehen wird, da sich dies alles auf die festgesetzte Zeit des Endes bezieht.«

Daniel 8, 27 (Hinweis)

»Als ich, Daniel, zu mir kam, war ich für viele Tage krank. Danach erhob ich mich und erledigte die Geschäfte des Königs. Und ich war noch entsetzt über das Gesehene, doch da war niemand, der es verstand.«

Daniels Erfahrung zur Zeit der Vision vermittelt uns eine prophetische Vorschau dessen, was seinem Volk in der Zeitspanne widerfahren wird, über die das Gesicht nichts aussagt. Daniel war "wie betäubt". Diese Betäubung befiel Israel in den Tagen unseres Herrn und am Ende der Apostelgeschichte (Matth. 13, 14+15; Apg. 28, 26+27). Die Vorgänge in dem Gesicht sind für Israel so lange nicht zu begreifen, bis der Herr Seine Hand auf sie legt - in der letzten Bedrängnis.

Die siebzig Siebener

Daniel 9, 1+2

»Im Jahr eins des Darius, des Sohnes des Ahasveros, aus dem Samen der Meder, der über das Königreich der Chaldäer regierte - im Jahr eins seiner Regierung ging mir, Daniel, aus den Schriftrollen das Verständnis über die Anzahl der Jahre auf, die sich nach dem an den Propheten Jeremia ergangenen Wort Jewes über Jerusalems Verwüstung erfüllen sollten, nämlich 70 Jahre.«

Obgleich Jeremia ein vorexilischer Prophet war - er wirkte von 626 bis 580 v. Chr. - schrieb er u. a. für die im babylonischen Exil lebenden Juden und sagte das Ende ihrer Verbannung nach siebzig Jahren babylonischer Herrschaft voraus (Jer. 25, 11). In Jer. 29, 10 ist zu lesen: "Denn so spricht Jewe: Sobald nach meinem Geheiß siebzig Jahre für Babylon erfüllt sind, werde ich euch aufsuchen und mein gutes Wort an euch ausführen, euch an diesen Ort zurückzubringen."

Babylon wurde nach dem vollständigen Sieg über Assur 609 v. Chr. Großmacht. Die nach Assur deportierten Nordstämme standen also die 70 Jahre bis 539 v. Chr. unter babylonischer Herrschaft.

Die Verschleppung war keine Vergeltung oder grausame Strafe, um dem Volk Schaden zuzufügen, sondern ein der Weisheit Gottes entsprechendes Mittel zum Besten Israels.

Weshalb gerade 70 Jahre? Alle sieben Jahre war nach dem Gesetz des Mose ein Sabbatjahr der Ruhe für das Ackerland angeordnet (3. Mose 25, 1-22). Jewe drohte an, das Land in eine Einöde zu verwandeln, wenn dieser Jahressabbat nicht eingehalten werden würde. Die siebzig Jahre währende Verödung entsprach also einfach der Forderung des Gesetzes. Wenn sie 490 Jahre lang versäumt hatten, jedes siebente Jahr den Boden ruhen zu lassen, so ergab das 70 Sabbatjahre, die nachzuholen waren. Das Land brach liegen zu lassen und den Wein nicht schneiden zu dürfen, das ging über ihren Glauben. So sehr waren sie in ihrem eigenen Tun befangen, und so wenig Raum hatten sie für das Wirken Gottes in ihrem Herzen.

Die Drangsale und Leiden der Verbannungszeit pflügten ihre Herzen gleichsam um. Die Weggeführten waren gedemütigt und hilflos. Sie waren völlig auf Gott angewiesen und lernten, auf Jewe zu blicken und von Ihm Rettung zu erwarten. Nach Hebr. 4, 9 wird das Königreich Christi eine Sabbatzeit sein. Dann werden sie von ihren eigenen Werken abstehen und sich an den Werken erfreuen, die ihr Retter für sie tut.

Daniel 9, 3-8

»Da wandte ich mein Angesicht zu Jewe, dem Elohim, um Ihn mit Gebet und Flehen unter Fasten und in Sacktuch und Asche zu suchen. So betete ich zu Jewe, meinem Eloah, und bekannte dies: O Jewe, Du großer und furchtbarer El, der Du den Bund und die Huld denen bewahrst, die Dich lieben und Deine Gebote halten. Wir haben gesündigt und verwerflich gehandelt, wir haben gefrevelt und uns empört, wir haben uns Deinen Geboten und Deinen Vorschriften entzogen. Auch haben wir nicht auf Deine Diener, die Propheten, gehört, die in Deinem Namen zu unseren Königen, unseren Oberen und unseren Vätern und zum gesamten Volk des Landes gesprochen haben. Dir, Jewe, gehört die Gerechtigkeit, uns jedoch die Schamröte im Angesicht, wie an diesem Tag, jedem Mann in Juda, den Bewohnern Jerusalems, dem gesamten Volk Israel, den Nahen und den Fernen, in all den Ländern, wohin Du sie vertrieben hast wegen ihrer Kränkung, mit der sie Dich gekränkt haben. Dir, Jewe, gehört die Gerechtigkeit, jedoch uns die Schamröte im Angesicht, unseren Königen, unseren Oberen und unseren Vätern, weil wir gegen Dich gesündigt haben.«

Daniel sagt nicht, "sie" haben gesündigt, sondern "wir" haben gesündigt. Der Heilige verband sich mit den Fleischlichen seines Volkes. Seine Demut und sein völliges Vertrauen auf den treuen und alles bewirkenden Gott kennzeichnen dieses Gebet.

Daniel 9, 9-12

»Doch Jewes, unseres Elohim, ist das Erbarmen und die Vergebung, wiewohl wir uns gegen Ihn empört und nicht auf die Stimme Jewes, unseres Elohim, gehört haben, um in Seinen Gesetzen zu wandeln, die Er uns durch die Hand Seiner Diener und Propheten gegeben hat. Israel hat Dein Gesetz übertreten und sich Dir entzogen, um nur nicht auf Deine Stimme zu hören. Daher ist der Eidfluch und der Schwur über uns hereingebrochen, der im Gesetz des Mose, Diener des Einen, Elohim, geschrieben ist; denn wir haben gegen Ihn gesündigt.

So bestätigte Er Seine Worte, die Er über uns und über unsere Richter, die uns richten, gesprochen hat, um das große Übel über uns zu bringen, das unter dem ganzen Himmel noch nie derart geschehen ist, wie es Jerusalem geschah.«

Daniel rechtfertigte uneingeschränkt Gottes gerechtes Urteil und wendet sich an das Erbarmen Gottes und an Seine Vergebung.

Daniel 9, 13+14

»Wie es im Gesetz des Mose geschrieben ist, kam all dieses Übel über uns; dennoch flehten wir nicht zum Angesicht Jewes, unseres Elohim, um uns von unserer Verworfenheit umzuwenden und in all Deiner Wahrheit Einsicht zu zeigen. Daher war Jewe auf das Übel bedacht und brachte es über uns. Doch Jewe, unser Elohim, ist gerecht in all Seinen Taten, die Er vollbringt; jedoch haben wir nicht auf Seine Stimme gehört.«

Jeder steht unter dem Fluch, der das Gesetz nicht in allen Stücken hält (5. Mose 27,26; Gal. 2,10). Nur vorbehaltloses Eingeständnis führt aus allem heraus zum Guten (3. Mose 26,14+40).

 

Daniel 9,15-19

»Aber nun, Jewe, unser Elohim, der Du Dein Volk mit gewaltiger Hand aus dem Land Ägypten herausgebracht und Dir, wie an diesem Tag, einen Namen gemacht hast: Wir haben gesündigt, wir haben gefrevelt.

Doch, Jewe, um all Deiner Gerechtigkeit willen, laß Deinen Zorn und Deinen Grimm sich von Deiner Stadt Jerusalem, Deinem heiligen Berg, abwenden; denn wegen unserer Sünden und unseres Frevels - des unseren und des unserer Väter - sind Jerusalem und Dein Volk zu einer Schmach für alle um uns herum geworden.

Und nun höre, unser Elohim, auf das Gebet Deines Dieners und auf seine Bittrufe. Laß Dein Angesicht über Deiner verödeten Weihestätte leuchten um Deinetwillen, Jewe!

Neige, mein Eloah, Dein Ohr und erhöre mich; tue Deine Augen auf und sieh unsere Verödung und die Stadt, über die Dein Name ausgerufen wird; denn nicht unserer Gerechtigkeit wegen legen wir unsere Bittrufe vor Dich, sondern wegen der Menge Deiner Erbarmungen.

Jewe, höre! Jewe, vergib! Jewe, merke auf und handle! Du darfst nicht verziehen um Deiner Selbst willen, mein Eloah; denn Dein Name wird über Deine Stadt und über Dein Volk Israel ausgerufen.«

Daniel erinnert den Herrn daran, daß es letztlich um Seinen Namen geht. Er hat das Volk aus Ägypten herausgeführt, um sich einen Namen zu machen. Nun aber steht der Name Gottes in Mißkredit, denn die Menschen meinen, Gott kümmere sich nicht mehr um sein Volk. Daniel bittet um der Ehre Gottes willen um Abhilfe: "Denn Dein Name wird über Deine Stadt und über Dein Volk Israel ausgerufen!" - Die Rettung Israels ist somit ein Mittel zur Enthüllung Gottes. -

Daniel 9, 20-23a

»Und während ich noch sprach, betete und meine Sünde und die Sünde meines Volkes Israel bekannte und meine Bittrufe Jewe vorlegte, meinem Eloah, den heiligen Berg meines Eloah betreffend - während ich mein Gebet sprach, siehe, da rührte mich zur Zeit des Abendopfers der Mann Gabriel an, den ich zu Beginn im Gesicht gesehen hatte, als ich völlig ermattet war.

Er wollte Aufklärung geben und sprach zu mir: Daniel, nun komme ich herzu, um dir zu einem einsichtigen Verständnis zu verhelfen. Zu Beginn deiner Bittrufe erging ein Wort von Jewe, und ich bin gekommen, um es dir anzuzeigen, da du ein wertgeachteter Mann bist.«

Gabriel ist ein Bote Gottes. Er überbrachte auch der Mutter unseres Herrn und Zacharias Botschaften (Luk. 1, 11+26).

Daniel ist ein wertgeachteter Mann. Etwas Tröstlicheres und Aufmunternderes hätte diesem Treuen gar nicht gesagt werden können, besonders nach seinem aufrichtigen, reuevollen Bekenntnis vor Gott. Das Gebet Daniels war ein wahrhaftes Nahungsgeschenk, das Gottes Herz erquickte, nämlich die Huldigung eines demütigen Menschenherzens.

Daniel 9, 23b-24

»Verstehe nun den Inhalt des Wortes und verstehe das Gesicht. Siebzig Siebener sind für dein Volk und für deine heilige Stadt abgetrennt, um der Übertretung zu wehren, die Sünde zu beenden, die Verwerflichkeit zu sühnen, die Gerechtigkeit der Äonen herbeizuführen, die Vision und das prophetische Wort zu versiegeln und um das Heilige der Heiligen zu salben.«

Die siebzig Jahre waren fast abgelaufen. In Daniels Herz kam die Hoffnung auf, daß nun Israels äonische Herrlichkeit anbräche. Gewiß, es war ihm gesagt worden, daß das medo-persiche Weltreich erst noch vom griechischen abgelöst werden und das Ende der "Fristen der Nationen" nicht eher kommen würde, bevor die Endzeit dieses Reiches angebrochen ist. Wir erinnern uns, dass Daniel nach jener Vision von Kap. 8 entsetzt und verstört war. Und nun war es die Aufgabe Gabriels, Daniel klarzumachen, wie weit entfernt das Ende noch war und welche drei großen, wichtigen Zeitabschnitte der Menschheitsgeschichte noch dazwischen lagen, Epochen, in denen die weiterdauernde Widerspenstigkeit Israels erst voll aufgedeckt werden würde. Siebenmal siebzig Jahre liegen noch vor dem irrenden Volk, ehe das Königreich aufgerichtet werden kann. Die Daniel angegebenen 70 Jahrsiebener sind noch nicht beendet, denn Gott zählt nur die Zeit, die für Israel Fortschritte bringt. Jahre des Stillstands, des Rückschritts und Ungehorsams werden nicht mitgerechnet. Und die gegenwärtige geheime Verwaltung, die dem Apostel Paulus für uns, die aus den Nationen, gegeben ist, konnte Daniel nicht enthüllt werden.

Als unser Herr sagte, dass das Königreich nahe herbeigekommen sei, waren 69 Jahrsiebener oder 483 Jahre vergangen. Das Reich Gottes hätte also 7 Jahre nach dieser Ankündigung aufgerichtet sein müssen. Stattdessen vergingen, wie die Apostelgeschichte ausweist, rund 40 Jahre Widerspenstigkeit Israels in den Jahren 30 bis 70 n. Chr., die nicht mitgezählt werden. Möglicherweise ist auch in der Zukunft (nach unserer Entrückung) eine solche Periode zu erwarten, bevor die letzten 7 Jahre beginnen.

Gott schloß Sein Volk wieder in die Widerspenstigkeit ein, weil Er ein größeres Ziel verfolgt, als nur die verheißenen irdischen Segnungen. Die zweimalige Ablehnung des Königreichs durch Israel - zweimalig, weil auch des Petrus Königreichsverkündigung nach Pfingsten abgelehnt wurde - dient zur Vorbereitung der Zurschaustellung Seiner höchsten Weisheit, Seiner größten Gnade und Seiner unerschöpflichen Liebe. Sie führt zu dem erhabenen Höhepunkt in der Enthüllung Seiner Selbst, nämlich in die geheime Verwaltung der Gnade. Diese Gnade wird den Nationen und einer Auswahl aus Israel zuteil während der großen Abtrünnigkeit des Bundesvolkes. Das Ziel ist die Wiederherstellung der überhimmlischen Bereiche durch die Körperschaft Christi in den beiden kommenden Äonen zu Gottes Lobpreis, Herrlichkeit und Wohlgefallen (Eph. 2, 6+7; 3, 2+9).

In Daniel 9,24 werden uns je drei Einzelheiten genannt, die das Aufhören des Bösen und die Einführung des Guten nach den 70 Siebenern beschreiben: Übertretung, Sünde und Verwerflichkeit werden aufhören. Dagegen werden Gerechtigkeit und Versiegelung (d. h. wohl Bestätigung und Erfüllung) des prophetischen Wortes stattfinden sowie die Salbung des Allerheiligsten, also die Einweihung des Tempels mit dem Allerheiligsten im Innern. Danach sehnt sich Daniel, und darum betet er.

Wie wird diese Wende zum Positiven erreicht? Christus hat den neuen Bund mit Israel gestiftet durch Sein Blut. Der Geist Gottes, der an jenem Tag in den Herzen seines Volkes wirkt, wird den Bund in Kraft setzen, wie Jeremia sagt: "Dies ist der Bund, den Ich mit dem Hause Israel nach jenen Tagen machen werde, versichert Jewe. Ich werde Mein Gesetz in ihr Innerstes legen und werde es auf ihr Herz schreiben." (Jer. 31, 33; Hebr. 8, 8) Dann wird ganz Israel gerettet werden (Römer 11, 26). Jene Generation wird dann die Früchte des Königreichs hervorbringen, die Jesus bei seiner Generation vermißte (Matth. 21, 43), da sie in die Verstockung eingeschlossen waren (Jesaja 6, 9+10; Matth. 13, 14; Apg. 28, 25-27; Römer 11, 25+32). Dann wird Israel Gott Anbetung in huldvoller Heiligkeit darbringen und Seinen Namen nicht mehr entehren (Hes. 20, 39; 43, 7).

Daniel 9, 25

»So wisse nun und sei einsichtig: Vom Ausgang des Wortes, zurückzukehren und Jerusalem aufzubauen, bis zum Kommen des Messias, des Beherrschers, sind es sieben Siebener und zweiundsechzig Siebener. Es wird wiederhergestellt und aufgebaut werden mit Platz und Stadtgraben, und alles in Zeiten der Bedrängnis.«

Der Zeitraum der siebzig Siebener (=490 Jahre) ist in zwei Abschnitte gegliedert. Der erste umfaßt 69 Jahrsiebener (=483 Jahre) und führte zum Erscheinen des Messias in Seiner Erniedrigung. Der zweite dauert 1 Jahrsiebener und führt zum Kommen des Messias in Seiner Verherrlichung. Jeder dieser Abschnitte hat seine Einleitungszeit. Die sieben Siebener, welche den 62 Siebenern vorangehen, brachten den Wiederaufbau Jerusalems unter Esra, der 458 v. Chr. eintraf, und Nehemia, der als persischer Satrap 445 v. Chr. die Stadtmauern wieder aufbaute in Zeiten großer Not und Bedrängnis. Die erste Hälfte dess letzten Siebeners, die den letzten 3,5 Jahren vorangehen, bringt die Herstellung des ständigen Rituals in der heiligen Stadt unter dem falschen Christus.

Die siebzig Siebener und ihre Unterbrechungen aufgrund der Ablehnung des Königreichs durch Israel:

 

 

Anmerkung zu den Geheimnissen des Königreichs:

Sie ergeben sich aus der Ablehnung des Königs durch die Juden (Matth. 13, 10-15). Der Abfall wird in 7 Gleichnissen in Matth. 13, 18-50 bloßgestellt. Die ersten 4 Gleichnisse beschreiben den äußeren Verlauf, die 3 weiteren den inneren Kern des Königreichs in seiner Gestalt während dieses bösen Äons. Dabei berührt unser Herr das dem Apostel Paulus noch zu offenbarende Geheimnis nicht.

  1. Geheimnis: Das Gleichnis vom Sämann (Vers 18)

Die Ursachen der Verwerfung des Königreichs: Widerstand Satans, Schwachheit des Fleisches, die Welt und ihre Reichtümer.

2. Geheimnis: Das Gleichnis vom Unkraut (Vers 24)

Die Geschicke des Königreichs bis zum Ende des Äons, Säuberung von Heuchlern.

3 Geheimnis: Das Gleichnis vom Senfkorn (Vers 31)

Die Größe des Königreichs; die trügerische Ausbreitung ist eine Deckung für böse Geister.

4. Geheimnis: Das Gleichnis vom Sauerteig (Vers 33)

Die Verdorbenheit des Königreichs.

5. Geheimnis: Das Gleichnis vom Schatz im Feld (Vers 44)

Jesus Christus erwirbt durch seinen Tod die ganze Welt (Vers 38). Der Schatz ist Israel (2. Mose 19, 5).

6. Geheimnis: Das Gleichnis von der edlen Perle (Vers 45)

Der Herr sucht das gläubige Israel.

7. Geheimnis: Das Gleichnis vom Fischernetz (Vers 47)

Das letzte Stadium, Sammlung aus dem Völkermeer und Säuberung.

Als Jesus sagte: "Erfüllt ist die Frist, und genaht hat sich das Königreich Gottes" (Mark. 1, 15), wußten die Juden, dass die Frist der 69 Siebener um ist. Die Frist, die zur Anwesenheit des Messias führte, war erfüllt; die Zeit des Königreichs aber noch nicht – diese war erst nahe herbeigekommen.

Wird unter dem "Kommen des Messias, des Beherrschers" (Dan. 9, 25) sein Einzug in Jerusalem verstanden ("Hosianna! Gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König Israels!" – Joh. 12, 13), so paßt zusammen:

Erlaß des Artaxerxes zum Wiederaufbau Jerusalems:

1. Nisan 445 v. Chr. = 14.3.445 v. Chr.

Jesu Einzug in Jerusalem:

9. Nisan 32 n. Chr...........................= Sa., 5.4.32 n. Chr.

(14. Nisan 32 n. Chr./Passah = Do., 10.4.32 n. Chr.)

Jesu Einzug war am letzten Tag des 69. Jahrsiebeners. 69 Jahrsiebener sind 483 Jahre à 360 Tage =  173.880 Tage (oder 476 Jahre und 24 Tage nach unserem Kalender).

Zwei Beherrscher werden in den Versen 25 und 26 genannt:

  1. Der Messias, der gesalbte Beherrscher;
  2. der Antichristus, der andere Beherrscher.

Der falsche Beherrscher führt den 70. Siebener durch den Bund mit Israel ein und tritt wie ein Messias auf. Er erklärt den Gottesdienst für legal. Wenn er dann mächtig genug ist, wird er das Ritual verbieten, und die Gläubigen müssen fliehen.

Daniel 9, 26

»Nach den zweiundsechzig Siebenern wird der Messias abgeschnitten werden, und es gibt keinen Rechtsspruch für ihn. Die Stadt und das Heiligtum werden mit dem Kommen des anderen Beherrschers zerstört werden; das Ende davon geschieht durch eine Überflutung, und bis zum Ende des Krieges sind Verödungen angesetzt.«

Welcher seiner Jünger hat wirklich geglaubt, dass der Messias ohne gerechten Urteilsspruch nach den 62 Siebenern, die den 7 Siebenern folgten, völlig abgetan und verworfen wird – trotz der Deutlichkeit der Aussage? Auch nachdem der Herr Selbst seinen Jüngern klargemacht hatte, daß Er leiden, sterben und auferstehen müsse, sträubte sich Petrus: "Gott ist Dir versühnt, Herr. Keinesfalls wird Dir das zugedacht sein!" (Matth. 16, 22).

Hätte der Hohepriester nur diese eine Wahrheit geglaubt, hätte er Jesus nicht angeklagt. Erstaunlich und wunderbar: Indem sie Ihn verurteilten, erfüllten sie die Schrift.

Christus haben sie verworfen, doch den Antichristus werden sie aufnehmen (Joh. 5, 43). Der gesalbte Beherrscher wurde gekreuzigt, doch der falsche Messias wird anerkannt werden.

In der zweiten Hälfte des letzten Jahrsiebeners werden die Stadt und das Heiligtum wieder zerstört werden. Satan wird Jerusalem durch eine Überflutung verwüsten. Aus Off. 12, 15 wissen wir, dass der Drache auf die Erde geworfen wird und aus seinem Maul eine Flut von Wasser speit. Damit will er die sonnenumhüllte Frau, das gläubige Israel, fortschwemmen.

Daniel 9, 27

»Dann wird er Herr eines Bundes mit den Vielen sein für einen Siebener; zur Hälfte des Siebeners wird er das Opfer und das Nahungsgeschenk aufhören lassen; auf einem Flügel des Heiligtums werden Greuel der Verödung aufgestellt sein. Bis zum Abschluß der Frist wird das Festbeschlossene über die Verödung ausgegossen werden.«

Was der Antichristus tut, ist genau das, was man auch von jedem anderen Juden erwarten würde, der wie er zu Macht und Einfluß gelangt und seinem Volk den Besitz des Landes und die Ausübung der Religion garantieren kann.

Die Tatsache, dass er Herr und Meister des Bundes ist, bringt ihn wahrscheinlich zur Überzeugung, zu einem Widerruf jederzeit berechtigt zu sein, sobald Zeit und Umstände es erfordern. Der Umstand, dass dem Beherrscher auf dem Höhepunkt seiner Macht durch den Drachen Vollmacht über alle Königreiche der Erde gegeben wird (Off. 13, 4), hat sicherlich keinen wesentlichen Einfluß auf die von ihm ausgeübte Regierungsgewalt über Daniels Volk. Erst Satans Forderung dear Anbetung hat das Verbot des Tempeldienstes zur Konsequenz und bringt die Verfolgung der Heiligen herauf.

Der Ausdruck "Greuel" dürfte alles umfassen, was mit falscher Anbetung, insbesondere von Götzen, zu tun hat. Der spezielle Greuel der Endzeit auf einem Flügel des Tempels wird das greulichste aller Götzenbilder sein, das Bild des wilden Tieres, des Antichristus (Off. 13, 14+15). Dieser Greuel wird andauern, bis das Festbeschlossene über die Verödung ausgegossen wird. Und zwar werden die sieben Zornesschalen des Grimmes Gottes auf das verödete Land – es entbehrt des heiligen Rituals - und die darin wohnenden Anbeter des Bildes des wilden Tieres ausgegossen werden (Off. 16, 1).

Die Plagen am Ende der sieben Jahre beseitigen alles Üble der Zeit der Nationen und des Menschentages, reinigen das Volk Israel und machen den Weg frei für die Segnungen des Königreichs und des Tages des Herrn.

Daniels viertes Gesicht über die Zeit des Endes

Daniels vierte und letzte Vision ist eine mehr in die Einzelheiten gehende Wiederholung der Gesichte des 8. Kapitels. Wir finden in den Kap. 11 und 12 bis Vers 4 eine eingehende Beschreibung der Situation unter den Nachbarvölkern Israels in der Zeit vor dem letzten Siebener bis hinein in die Endzeit. Wenn dies alles in den Königreichen südlich und nördlich Israels geschieht, dann wissen die Gläubigen des Volkes Gottes, daß das Ende nahe ist. Sie werden dies an unverwechselbaren Details des politischen Geschehens in Ägypten und Syrien erkennen.

Daniel 10, 1

»Im dritten Regierungsjahr des Perserkönigs Cyrus wurde Daniel, dessen Name auch Beltsazar genannt wird, ein Wort enthüllt. Das Wort ist Wahrheit und das Heer der Betroffenen ist groß. Er aber verstand das Wort, und Verständnis wurde ihm durch die Erscheinung zuteil.«

Cyrus ist einer der bedeutendsten Männer im Zusammenhang mit der Wiederherstellung Israels. Er wurde gleich im ersten Regierungsjahr vom Geist Jewes angewiesen, den Tempel in Jerusalem wieder aufbauen zu lassen. Sein Erlaß des Jahres 538 v. Chr. ist in 2. Chronika 36, 22+23 und Esra 1, 1-4 verzeichnet.

Daniel 10, 2+3

»In jenen Tagen befand ich mich - ich, Daniel - dreimal sieben Tage in Trauer: ich aß kein begehrliches Brot, Fleisch und Wein kamen nicht in meinen Mund, und ich rieb mich nicht mit Öl ein, bis die dreimal sieben Tage erfüllt waren.«

Als Daniel im dritten Regierungsjahr die Vision empfing, wußte er, daß der Wiederaufbau des Tempels in vollem Gange war, dies aber nicht zu der endgültigen Wiederherstellung Israels führen würde. Er wollte aber noch genauer verstehen und trauerte und fastete deshalb.

Daniel 10, 4-6

»Am 24. Tag des ersten Monats befand ich mich am Ufer des großen Stromes, welcher der Hiddekel war. Da hob ich meine Augen auf, und siehe, ich sah einen Mann in Leinen gekleidet, seine Lenden waren mit gleißendem Gold aus Uphaz umgürtet, sein Körper war wie Topas, sein Angesicht hatte das Aussehen wie das eines Blitzes, seine Augen waren wie Feuerfackeln, seine Arme und seine Füße wie der Glanz funkelnden Kupfers, und der Schall seiner Worte war wie der Schall einer großen Schar.«

Daniel verstand alles, was er hörte und was er sah. Das Aussehen des Boten gleicht sehr der Erscheinung des Herrn in Off. 1 in Seiner Eigenschaft als Prophet. Der Bote in Daniels Vision vereinigt somit in sich die Würde des Propheten mit der Umsicht eines göttlichen Richters. Davon zeugt auch die Reinheit des Goldes und der blendende Schein, der von ihm ausgeht. Eine solche Vitalität ist für Sterbliche unerträglich.

Heute ist das Wort Gottes zum Abschluß gebracht. Deshalb erfolgen in unserer Verwaltung keine weiteren Offenbarungen mehr. Der Apopstel Paulus hat nach Kolosser 1, 25 das Wort Gottes vervollständigt. Das Evangelium ist in seiner vollen Reife geoffenbart. Die Zeit der Bruchteile ist vorbei (1. Kor. 13, 10; Eph. 4, 13).

Daniel 10, 7-11

»Ich, Daniel, sah jedoch allein diese große Erscheinung - die Männer, die mit mir gekommen waren, sahen die Erscheinung nicht, dennoch überfiel sie ein großes Zittern, und sie entwichen, um sich zu verstecken - so blieb ich allein und sah diese große Erscheinung. Doch es blieb keine Kraft in mir, mein prächtiges Aussehen verwandelte sich und wurde an mir entstellt, und ich behielt keine Kraft. Dann hörte ich den Schall seiner Worte; und als ich auf den Schall seiner Worte horchte, war ich wie betäubt auf meinem Angesicht; ich sank mit meinem Angesicht zur Erde nieder. Und siehe, eine Hand berührte mich und rüttelte mich empor auf meine Knie und meine Handflächen. Dann sagte er zu mir: Daniel, du wertgeachteter Mann, verstehe die Worte, die ich zu dir spreche, und stelle dich aufrecht auf deinen Platz; denn nun bin ich zu dir gesandt. Als er dieses Wort zu mir sprach, stand ich zitternd auf.«

Zweimal klagte Daniel, daß keine Kraft in ihm blieb. Sogar die Worte des Boten waren in ihrer Wucht zuviel für Ihn. Er erweist sich körperlich und seelisch als viel zu schwach, um richtig hören zu können. Deshalb gelten die ersten Worte des Boten seiner Wiederherstellung.

Das Erlebnis seiner Schwäche diente der Vorbereitung des Verstehens der Vision. Er wurde zu demütiger Beugung gebracht, um wirklich zu verstehen, was für sein Volk notwendig war, auch wenn es nicht völlig seinen Wünschen entsprach. "Verstehe die Worte!" - Das dürfen auch wir uns zurufen lassen!

Daniel 10, 12-14

»Dann sagte er zu mir: Du mußt dich nicht fürchten, Daniel, denn vom ersten Tag an, da du dein Herz zum Verständnis gabst und dich selbst vor Jewe, deinem Elohim, demütigtest, sind deine Worte erhört worden, und ich bin deiner Worte wegen gekommen, doch stand mir der Oberste des Königreichs Persien einundzwanzig Tage entgegen. Aber siehe, Michael, einer der ersten Obersten kam, um mir zu helfen, und ich ließ ihn dort neben dem Obersten der Könige von Persien allein. Dann sagte er zu mir: Ich bin gekommen, um dir Verständnis zu geben, was deinem Volk in den letzten Tagen zustoßen wird; denn die Vision betrifft zukünftige Tage.«

An dem Tage, da Daniel drei Wochen zuvor seine Trauer begonnen hatte, war seine Bitte schon erhört worden. Aber es vergingen noch 21 Tage. Es wird uns ein Blick in die unsichtbare Welt gewährt. Nicht wir entscheiden in eigener Regie, sondern Gott regiert das All nach dem Ratschluß Seines Willens (Eph. 1, 11). Dazu bedient Er sich himmlischer Mittler, deren sich die Menschen nicht bewußt sind. Auch wir wandelten ja einst nach dem Willen des Fürsten des Vollmachtsgebiets der Luft, des Geistes, der nun in den Söhnen der Widerspenstigkeit wirkt (Eph. 2, 2).

Offenbar steht jede große Macht auf der Erde, die den Herrschaftsanspruch Jesu Christi ablehnt, unter der Schirmherrschaft einer geistlichen Macht der Finsternis, zumal Satan die Vollmacht über alle Reiche der Welt übergeben ist (Luk. 4, 6).

Nur Michael, der Oberste über Israel, hielt zu dem Boten, der Daniel erschien. Hier haben wir das Vorspiel zum Kampf Michaels am Ende der Zeiten (Off. 12, 7+8), wenn der Drache und seine Boten aus dem Himmel hinausgeworfen werden auf die Erde, um dort für eine kurze Zeit ihr Unwesen weiterzutreiben.

Daniel 10, 15-17

»Als er diese Worte zu mir sprach, wandte ich mein Angesicht zur Erde und verstummte. Und siehe, der in der gleichen Gestalt wie Menschensöhne rührte meine Lippen an. Da öffnete ich meinen Mund, um zu sprechen, und sagte zu dem, der vor mir stand: Mein Herr, bei deinem Anblick stürmen Ängste auf mich ein, und ich behalte keine Kraft. Wie kann der Diener dieses meines Herrn mit diesem meinem Herrn reden, da ich hinfort keine Kraft in mir habe und kein Odem in mir bleibt?«

Der unerträgliche Glanz des Boten wurde schwächer, die erdrückende Pracht schwand, und nun stand er vor Daniel wie irgendein Mensch. - Können wir jetzt ahnen, wie sehr sich Christus erniedrigte, als Er sich Selbst aller Herrlichkeit entäußerte und die Gestalt eines Menschen annahm (Phil. 2, 6-8)?

Daniel 10, 18-21; 11, 1

»Dann berührte er mich wieder, der das Aussehen wie das eines Menschen hatte. Er ermutigte mich und sagte: Du mußt dich nicht fürchten, du wertgeachteter Mann! Friede sei mit dir! Fasse Mut und sei standhaft! - Wie er so mit mir sprach, wurde ich ermutigt und sagte: Mein Herr, sprich; denn du hast mich ermutigt.

Dann sagte er zu mir: Weißt du, warum ich zu dir komme? Nun kehre ich zurück, um mit dem Obersten des Königs von Persien zu streiten. Während ich hervortrete, siehe, da kommt der Oberste Griechenlands! (Wahrlich, ich will dir kundtun, was in der Schrift der Wahrheit aufgezeichnet ist.) Da ist kein einziger, der mit mir in diesen Dingen standhält, es sei denn Michael, euer Oberster. Und ich stand ihm im Jahr eins des Meders Darius bei, um ihn standhaft zu machen und zu stärken.«

Unter persischer Herrschaft ging es den Juden verhältnismäßig gut. Das ist die menschliche Seite. Auf der himmlischen Seite war der Oberste über Persien den Juden feindlich gesinnt. Um dem entgegenzuwirken und Gottes Absicht auszuführen, wird der Bote, der zu Daniel sprach, abgesandt, damit er den persischen Herrscher beeinflusse. Der Bote stand Michael auch im Jahre eins des Meders Darius bei, um Cyrus zur Erlaubnis der Rückkehr Israels zu bewegen.

Daniel 11, 2

»Nun werde ich dir die Schrift der Wahrheit kundtun. Siehe, drei Könige werden noch in Persien aufstehen; und der vierte wird mit Reichtümern, größeren als alle anderen, bereichert sein; da er beständig in seinem Reichtum ist, wird er das gesamte Königreich Griechenland erwecken.«

Unter Philipp II., dem Vater Alexanders des Großen, wurde Griechenland vereinigt und erlangte zunehmend an Bedeutung. Der Reichtum der Perser lockte die Griechen ins Land.

Daniel 11, 3+4

»Danach steht ein Meisterkönig auf und herrscht über einen großen Herrschaftsbereich und handelt, wie es ihm beliebt. Aber wie er ersteht, so zerbricht sein Königreich und teilt sich nach den vier Winden der Himmel hin, jedoch nicht für seine Nachkommenschaft. Auch wird es nicht wie seine Herrschaft sein, mit der er herrschte; denn sein Königreich wird ausgerissen und anderen mit Ausschluß jener Nachkommen zuteil werden.«

Alexander der Große trat auf und machte 331 v. Chr. dem Perserreich ein Ende. 323 v. Chr. starb Alexander. Sein Reich wurde unter seinen vier Generälen aufgeteilt, den sogenannten Diadochen, d. h. Nachfolgern.

Und hier erfolgt wieder ein großer heilsgeschichtlicher Sprung. Die anderen Nachkommen, die Vers 4 angibt, treten erst nach einer großen zeitlichen Unterbrechung auf. "Könige des Südens" und "Könige des Nordens" werden in der Endzeit im Herrschaftsbereich Alexanders regieren. Der letzte unter ihnen (Kap. 11, 21) ist derjenige, der das unbegrenzte Weltreich erhält und sich als Antichristus erweist.

Daniel 11, 5-9

»Dann wird der König des Südlands standhaft sein, und zwar wird er durch seine Obersten standhaft darüber regieren und ein großes Herrschaftsgebiet als seinen Herrschaftsbereich beherrschen.

Am Ende dieser Jahre werden sie sich dann verbinden; die Tochter des Königs des Südlands wird zu dem König des Nordlands kommen, um in Aufrichtigkeit zu einem Ausgleich mit ihm zu gelangen. Doch behält sie nicht die Kraft des Samens, noch wird er oder sein Same bestehen, sondern sie wird preisgegeben werden - sie und die sie gebracht haben, auch ihre Hofdame und der, der sie in jener Frist unterstützt. Einer aber, ein Schößling aus derselben Wurzel wie sie, wird erstehen an seiner Stelle und kommen, um das Heer zu führen. Er wird in die Hochburg des Königs des Nordlands kommen, hart mit ihnen verfahren und standhaft sein. Sogar ihre Götter stürzt er um samt ihren Gußbildern, und ihre Volksmenge mit ihren wertgeachteten Geräten aus Silber und Gold bringt er nach Ägypten in Gefangenschaft. So wird er für Jahre über den König des Nordlands bestehen; wenn er dann in das Königreich des Südlands kommt, kehrt er zu seinem Boden zurück.«

Von Israel aus gesehen, gehört Ägypten zum Südland, Syrien zum Nordland. Ein Kind aus der Ehe des Königs des Nordlands mit der Tochter des Königs des Südlands würde beide Reiche durch Erbfolge vereinigen; doch sie bleibt kinderlos, wodurch das Abkommen ungültig wird. Deshalb wird die Königstochter preisgegeben, auch ihre Begleiterin und ihr Förderer in dieser Angelegenheit. Der Rachefeldzug eines ihrer Verwandten gegen das Nordland ist erfolgreich. Dieser Verwandte wird für Jahre über den nördlichen König dominieren, aber er bringt auch keine Einigung zustande. Bei der Rückkehr in das Südland kehrt er zum Erdboden zurück, d. h. er stirbt.

Daniel 11, 10

»Doch seine Söhne werden aufgebracht sein, eine große Heerschar sammeln. Sie wird in das Südland einziehen, es überschwemmen und überfluten und hindurchziehen. Aber sie wird zurückkehren und aufgebracht werden bis zur Grenze Ihrer Stärke.«

Im Königreich des Nordlands sind die Söhne des Verstorbenen durch den Tod ihres Vaters aufgebracht. Sie sammeln ein Heer, überrennen das Südland und nach kurzer Rückkehr noch ein zweites Mal.

Daniel 11, 11-19

»Dann wird der König des Südlands verbittert sein, so daß er auszieht und mit ihm, dem König des Nordlands, streitet. Er wird ebenfalls eine große Heerschar aufstellen, doch die Heerschar wird in seine Hand gegeben; und die Heerschar wird weggerafft werden. Sein Herz wird sich erhöhen, wenn er Zehntausende fällt, aber er wird nicht gestärkt werden.

Dann wird der König des Nordlands nochmals eine Heerschar aufstellen, größer als die erste. Und am Ende der Zeiten der Jahre wird er aufs neue kommen, mit einem großen Heer und vielem Kriegsgut.

In diesen Zeiten werden sich viele Herzen gegen den König des Südlands stellen, und die Söhne des Abbrechens deines Volkes werden sich erheben, um die Vision zu bestätigen, doch sie werden straucheln.

Dann wird der König des Nordlands kommen, einen Erdwall aufschütten und Stadtfestungen erobern. Und die Armeen des Königs des Südlands werden nicht bestehen, und auch nicht sein auserwähltes Volk; denn da ist keine Kraft, um zu bestehen. Und der, welcher gegen ihn gekommen ist, wird handeln, wie es ihm beliebt, und keiner wird vor ihm bestehen. So wird er im prächtigen Land bleiben, das ganz in seiner Hand ist. Dann wird er sein Angesicht darauf richten, mit der Macht seines gesamten Königreichs zu kommen, um in Aufrichtigkeit zu einem Ausgleich mit ihm zu gelangen. Er wird ihm sogar eine Tochter von seinen Frauen geben, doch zu ihrem Verderben, denn sie wird nicht bestehen und wird nichts für ihn sein. Er wird sein Angesicht den Küstenländern zukehren und viele Stätten erobern. Und ein Anführer wird für ihn seiner Schmach ein Ende machen, ohne daß seine Schmach auf ihn zurückkehrt. Danach wird er sein Angesicht zu den Hochburgen seines Landes umwenden, doch er wird straucheln, stürzen und nicht mehr gefunden werden.«

Alle diese Ereignisse - die schlechte Behandlung seiner Tochter, der Treuebruch der Söhne des Schößlings aus dem Südland, sowie die Verheerung des Landes - verbittern den König des Südlandes, dessen Ziel es war, beide Länder zu vereinen. Nun beginnt er einen Feldzug und gewinnt die Schlacht. Der nördliche König bereitet einen Gegenangriff vor. Und mitten zwischen beiden liegt Israel, das "prächtige Land" (Vers 16).

Unser Herr sagte seinen Jüngern, daß sie künftig nicht nur die Kunde von Schlachten vernehmen, sondern zu Anfang der Wehen, die Seiner Ankunft vorausgehen, auch den Schlachtenlärm selbst hören werden (Matth. 24, 6).

Wie schon so oft verbündet sich Israel wieder mit der falschen Seite. Eine Gruppe von Juden will durch politische Macht und Gewalt das zur Erfüllung bringen, was ihnen erst beim Kommen des Messias zufallen wird. Diese "Söhne des Abbrechens" (Vers 14) fordern den Bruch mit dem König des Südlands, allerdings ohne Erfolg. Jerusalem wird wieder belagert. Weder die Armeen des Südlands noch das in diesem Falle mit Ägypten verbündete Volk Israel können bestehen. Zu dieser Zeit wird Jerusalem "Sodom und Ägypten" genannt (Off. 11, 18).

Dann versucht der Nordlandkönig aufrichtig zu einem Ausgleich mit dem König des Südreiches zu gelangen. Diesmal wird diesem von der Gegenseite eine Tochter zur Frau gegeben (Vers 17). Aber die Friedenskonferenz hat wieder keinen dauerhaften Erfolg. Nach Eroberungen an der Küste kehrt der König des Nordens zu den Hochburgen seines Landes zurück, wo er umkommt.

So endet die Laufbahn des ersten Königs des Nordreiches. Alle diese Einzelheiten werden für die Heiligen in Israel wichtig sein, um zu erkennen, daß sich ihre Freilösung naht, so daß sie ihre Häupter erheben (Luk. 21, 28).

 

 

 

Der Antichristus

Daniel 11, 20-24

»Danach wird an seine Stelle aus seiner Wurzel ein königlicher Sproß treten, der einen Tributeintreiber zu den Ehrenwerten des Königreichs ziehen läßt. Doch nach einigen Tagen wird er zerbrochen werden, aber nicht im Zorn und auch nicht im Krieg.

Dann wird an seine Stelle ein Verachteter treten, jedoch wird man ihm nicht die Pracht des Königreichs verleihen. Doch er wird mit Leichtigkeit daherkommen und das Königreich durch seine glatte Art festigen. Danach werden die Armeen des überflutenden Heeres vor ihm weggespült und zerbrochen werden, desgleichen auch der Beherrscher des Bundes. Nach einem Bündnis mit ihm wird er betrügerisch handeln, und von seinem Aufstieg an erweist er sich mit seiner kleinen Nation als stark. Mit Leichtigkeit wird er dann in die fettesten Gegenden der Provinz kommen und Dinge verüben, die weder seine Väter noch die Väter seiner Väter getan haben: Beute aus Plünderung und Kriegsgut wird er unter sie verteilen und gegen Ägypten seine Anschläge ersinnen, doch nur für eine Zeitlang.«

Der Nachfolger des Königs des Nordlands findet offenbar eine kriegsbedingt leere Staatskasse vor. Mit seinem Tributeinnehmer hat er kein Glück. Er wird sehr schnell abgesetzt.

Dann tritt ein gering Geachteter auf, einer ohne Ansehen. Man erweist dem gewandten Diplomaten bei seinem Amtsantritt noch nicht einmal die üblichen Ehren. Er versteht es, die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strömungen geschickt zu nutzen. Mit Intelligenz und Geld kommt er voran. Durch seine glatte Art kann er seine Herrschaft und sein Königreich festigen. Er erweitert seinen Einflußbereich durch Bündnisse. Beute behält er nicht für sich, sondern verteilt sie, gewinnt so noch mehr Einfluß und macht sich die Menschen geneigt. Dieser Mann ist der Antichristus.

 

Daniel 11, 25-28

»Dann wird seine Kraft und sein Herz gegen den König des Südlands mit seinem großen Heer erweckt. Der König des Südlands wird aufgebracht sein, bis er mit großem und überaus starkem Heer in den Krieg zieht, doch er wird nicht bestehen; denn man wird Anschläge gegen ihn ersinnen. Die seine Leckerbissen essen, werden ihn zerbrechen, sein Heer wird überwältigt werden, und viele werden verwundet ausfallen.

Und die beiden Könige werden mit bösen Gedanken an einem Tisch sitzen und Lügen reden, doch es wird nicht gelingen, denn das Ende verzieht noch bis zur bestimmten Zeit.

Wenn er dann mit einer großen Menge Gütern in sein Land zurückkehrt, wird sein Herz auf den heiligen Bund gerichtet sein, und er handelt dementsprechend, bevor er in sein Land zurückkehrt.«

Wieder kämpft Nord gegen Süd. Intrigen bringen den Sieg. Auf der Friedenskonferenz werden Lügen gesponnen, aber es gelingt dem Menschen der Gesetzlosigkeit nicht, beide Königreiche unter seine Kontrolle zu bekommen. Dieses Mißlingen ist notwendig, damit der Antichrist später umso bereiter ist, auch das Südreich aus der Hand des Widerwirkers zu nehmen.

Auf dem Rückweg macht er in Israel halt. Sein Sieg hat ihm wohl auch die Kontrolle über Israel eingebracht. Da er ein Jude sein dürfte – einen Nichtjuden würden sie nicht als Messias anerkennen -, ist dies für ihn wichtig. So kann er diesem Volk Heimatrecht und Religionsfreiheit garantieren. Da er der falsche Messias ist, ist damit zu rechnen, daß er zunächst Werke vollbringt, die auch von dem wahren Messias erwartet werden. Er wird dann als Retter seines Volkes angesehen.

Das Herz des Eroberers ist auf den heiligen Bund gerichtet. Jewe Elohim hatte mit Israel bei der Gesetzgebung am Berg Horeb einen Bund geschlossen (2. Mose 24, 3-8), den - wie die Propheten wiederholt sagen mußten - Israel gebrochen hatte. Sie verhießen aber auch einen neuen Bund (Jer. 31, 33+34). Jesus Christus hat den verheißenen neuen Bund mit seinem Blut gestiftet; nur der Vollzug steht noch aus. Jetzt schließt der Antichristus den Bund, allerdings nur auf 7 Jahre. Damit beginnt der letzte Siebener.

Wer sich den Platz Christi widerrechtlich aneignet, ist der Antichristus oder Anstatt-Christus. Wenn der König des Nordlands aufgrund seiner angemaßten Messiasstellung den Bund schließt, macht ihn das automatisch zum größten Lügner der Endzeit. Denn damit verleugnet er den Sohn wie auch den Vater (1. Joh. 2, 22). Im Gegensatz zum wahren Messias kommt er in seinem eigenen Namen. Unser Herr Jesus sagte zu seinem Volk: "Ich bin im Namen meines Vaters gekommen, doch ihr nahmt mich nicht auf. Wenn ein anderer in seinem eigenen Namen kommt, werdet ihr denselben aufnehmen" (Joh. 5, 43).

Daniel 11, 29-31

»Zur festgesetzten Zeit wird er dann umkehren und in das Südland kommen, aber es wird nicht wie im Anfang und auch nicht wie hernach sein; denn es werden Boote aus Chittim gegen ihn kommen; so ist er gedemütigt, wenn er zurückkehrt. Dann bedroht er den heiligen Bund und handelt dementsprechend. Wenn er zurückkehrt, zeigt er Verständnis für die, welche den heiligen Bund verlassen haben. Armeen von ihm werden dastehen und das Heiligtum, die Hochburg, entweihen, das beständige Ritual abschaffen und den Greuel der Verödung aufstellen.«

Endlich ist die von Gott festgesetzte Zeit gekommen. Ein erneuter Feldzug gegen den Süden verläuft nicht so wie geplant. Aus dem griechischen Raum greifen Schiffe ein, die den Herrscher gedemütigt zurückkehren lassen.

Zu der Zeit wird Satan aus dem Himmel geworfen, und einer der Köpfe des wilden Tieres erhält den Todesstreich - es wird jedoch weiterleben und die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf sich lenken (Off. 12, 9 und 13, 3-5). Satan erkennt offenbar den Anspruch des wilden Tieres auf die Stellung eines Messias an, doch verweigert er ihm die Vollmacht über die ganze Erde, solange es ihn nicht anbetet und konsequenterweise den Gottesdienst in Jerusalem nicht unterbindet.

Da es gegen die Abschaffung des beständigen Rituals Widerstand geben könnte, stationiert der falsche Messias seine Streitkräfte um die Stadt herum, um jeden Aufruhr im Keim zu ersticken. Die Gläubigen werden sich an die Worte des Herrn erinnern, daß, wenn Jerusalem von Heerlagern umzingelt ist, die Verödung nahe ist, und in die Berge fliehen (Luk. 21, 20+21).

Für die Juden, die den heiligen Bund verlassen haben, zeigt das wilde Tier Verständnis. Unter den Juden gibt es viele, die nicht orthodox sind und kein Interesse am Gesetz und am Tempeldienst haben. So verbünden sie sich mit dem Antichristus.

Diese Ereignisse führen direkt zum Höhepunkt des Widerstandes gegen Gott. Der Tempel wird entweiht. Das beständige Ritual wird abgeschafft und der Tempel in der Mitte des Siebeners dem Greuel der Verödung durch den Menschen der Gesetzlosigkeit preisgegeben (2. Thess. 2, 4). Die Anbetung Gottes wird weltweit durch die Anbetung dieses Menschen und Satans ersetzt. Ein Flügel der Weihestätte (Daniel 9, 27) wird für das Bild des wilden Tieres reserviert (Off. 13, 14+15). Der Gesetzlose setzt sich selbst in den Tempel.

Das ist die Zeit, für die die Warnung gilt, nicht auf den Ruf zu hören: Siehe, hier ist der Christus! (Matth. 24, 23). Aber Israel nimmt den Verführer an, denn was hat größere Beweiskraft als seine Macht, ihnen das Königreich aufzurichten. Und nicht nur das, denn seine Herrschaft erstreckt sich über die ganze Erde. Steht nicht gerade das von dem Gesalbten Gottes geschrieben?

Daniel 11, 32-35

»Die den Bund verurteilen, wird er durch seine glatte Art zu Befleckten machen. Doch das Volk, das seinen Eloah kennt, wird standhaft sein und entsprechend handeln. Die Einsichtigen des Volkes werden viele verstehen lehren; aber sie werden durch Schwert und Lohe, durch Gefangenschaft und Plünderung für Tage straucheln. Doch bei ihrem Straucheln wird ihnen mit nur wenig Hilfe geholfen werden, doch viele schließen sich ihnen mit glatten Worten an.

Einige der Einsichtigen werden straucheln; dadurch werden sie geläutert, gereinigt und weiß gemacht werden bis zur Zeit des Endes; denn es ist noch weiter bis zur bestimmten Zeit.«

Welche Auswirkungen hat diese erschreckende Krise in Israel auf diejenigen, die den Bund mit dem wilden Tier verurteilen? Sie werden zu Befleckten und Geschmähten. Die damit verbundenen Drangsale sind ein Läuterungsprozeß, der sie reinigt und aufrichtig macht. Sie werden ausharren bis zur Vollendung und so gerettet werden (Matth. 24, 13). Einige der Einsichtigen, die auch noch anderen zum Verständnis verhelfen, werden straucheln (nicht fallen!). Die schlimmen Erfahrungen in der großen Drangsal dieser dramatischen Prüfung werden sie demütig machen und für ihren Platz im kommenden Königreich zurüsten.

Daniel 11, 36-39

»Doch der König wird handeln, wie es ihm beliebt: er wird sich groß tun und sich erheben über alles, was El genannt wird. Gegen den El-elim wird er unerhörte Worte sprechen und dabei gedeihen, bis die Bedrohung beendet ist; denn was beschlossen ist, wird ausgeführt werden.

Für den Elohim seiner Väter wird er kein Verständnis zeigen, noch für das von Frauen Wertgeachtete; noch wird er irgendeinen Gott beachten; denn er wird sich über alles hoch erheben. Doch an seiner Stelle wird er den Gott der Starken verherrlichen; einen Gott, den seine Väter nicht kannten, wird er mit Gold und Silber, mit kostbaren Steinen und wertgeachteten Schätzen verherrlichen.

Für die Festungen der Starken wird er mit diesem fremden Gott wirken, den er mit zunehmender Herrlichkeit anerkennt; er wird sie veranlassen, über viele zu herrschen und den Boden für einen Kaufpreis zuteilen.«

Der Herrscher des Nordlands ist nun König der Erde und alleiniges Objekt der Anbetung für alle Religionen. So weit ging nicht einmal Nebukadnezar. Er machte wohl ein Standbild, aber nicht sich selbst zum Gegenstand der Verehrung.

Gegen den El-elim wird der Antichristus vermessene Worte sprechen. El-elim ist mit "Unterordner der Unterordner" oder "Verfüger der Verfüger" zu übersetzen, denn Gott ordnet sich alle anderen Unterordner unter, auch den Antichristus. Über alle Verfüger dieser Welt ist Gott hoch erhaben.

Für den Gott seiner Vorväter wird der Gesetzlose kein Verständnis haben, denn verstünde er Jewe Elohim, würde er nicht gegen Ihn auftreten. Auch das Begehren der Frauen ist ihm gleichgültig; er wird wohl unverheiratet bleiben und diese Tatsache als göttliche Eigenschaft ausgeben.

Er verherrlicht den Gott der Stärke. Satan ist seine Stärke. Die sieben Köpfe und zehn Hörner repräsentieren die Stärke des wilden Tieres in jenen Tagen. Es erhält seine Stärke von dem Drachen, der dafür angebetet wird.

Zu Vers 39 ist zu fragen, wen der Antichrist veranlassen wird, über viele zu herrschen, und den Boden zu verkaufen. Er veranlaßt das abtrünnige Israel, die große Hure Babylon, die nach Off. 17, 18 die Herrschaft über die Könige der Erde hat, die Fäden der finanziellen Weltherrschaft in der Hand zu halten. Jewe verloste das Land ohne Kaufpreis unter Israel. Der falsche Gott handelt anders: Er veräußert das Land für Geld.

Daniel 11, 40-45

»In der Zeit des Endes wird der König des Südlands mit ihm zusammenstoßen. Wie ein schaudernder Wirbelwind wird der König des Nordlands über ihn kommen, mit Streitwagen, Reitern und vielen Schiffen. So kommt er in die Länder, überflutet sie und zieht hindurch. Wenn er dann in das prächtige Land kommt, werden viele straucheln. Diese aber werden seiner Hand entkommen: Edom, Moab und das benachbarte Gebiet der Söhne Ammon. Dann wird er seine Hand nach den Ländern ausstrecken, auch dem Land Ägypten wird kein Entrinnen werden. Er herrscht durch Gold- und Silberreserven und durch alle wertgeachteten Kostbarkeiten von Ägyptern, Libyern und Äthiopiern - Reserven, die in seinen Bollwerken sind.

Doch Berichte werden ihn verstören, von Sonnenaufgang und vom Norden, so daß er mit großer Wut auszieht, um viele zu vertilgen und in den Bann zu tun. Er wird die Zelte mit seinen Königsinsignien zwischen den Meeren in dem prächtigen heiligen Bergland aufpflanzen. Wenn er bis zu seinem Ende kommt, wird es keine Hilfe für ihn geben.«

Ein letztes Aufbegehren des Südlands wird wie von einem Wirbelsturm zunichte gemacht, da der Antichristus mit den Mächten der Finsternis im Bunde steht. Dieser Blitzkrieg und Sieg bringt unbefestigte Gläubige ins Straucheln, ob er nicht doch der Messias sei.

Nur die Gebiete der ehemaligen Edomiter, Moabiter und Ammoniter südlich und östlich des Toten Meeres bleiben unbehelligt; dort liegen die unwirtlichen Berge, wohin die Gläubigen geflohen sind nach dem Geheiß des Herrn (Matth. 24, 16). In dieser Wildnis wird der "Frau", dem gläubigen Israel, von Gott eine Stätte bereitet, um sie 1260 Tage zu ernähren (Off. 12, 6).

Mit seinen Gold- und Silberreserven kontrolliert das wilde Tier die Finanzmärkte der ganzen Welt. Am Ende seiner 3,5jährigen Herrschaft in dieser turbulenten, schrecklichen Zeit des Gerichtes Gottes mittels der Zornesschalen gibt es Aufstände. Aber der Antichrist ist darauf aus, jede Gegnerschaft im Keim zu ersticken und auch den letzten Rest der Heiligen auszulöschen, denen der Herr in den Bergen einen sicheren Bergungsort bereitet hat.

Am Ende versammelt der Mensch der Gesetzlosigkeit die Könige der Erde mit ihren Armeen bei Harmageddon gegen Gott.

Jetzt greift Christus ein, wie Johannes in Off. 19, 19-21 beschreibt. Das wilde Tier wird gefangengenommen und mit ihm der falsche Prophet, der vor seinen Augen die Zeichen tat, wodurch er die irreführte, die das Merkmal des wilden Tieres angenommen und sein Bild angebetet hatten. Lebendig werden die beiden in den Feuersee geworfen, der mit Schwefel brennt. Die übrigen werden durch die Klinge getötet, die aus dem Munde des Messias hervorgeht. Jesus Christus, der Herr der Herren und König der Könige, tritt Seine Herrschaft an.

Daniel 12, 1+2

»In dieser Zeit wird Michael aufstehen, der große Botenfürst, der über den Söhnen deines Volkes steht. Dann wird eine Zeit der Drangsal sein, derart, wie noch keine geschehen ist, seit Nationen auf der Erde wurden, bis zu dieser Zeit. Aber in dieser Zeit wird dein Volk entkommen, alle, die in der Rolle eingeschrieben gefunden werden. Viele von denen, die im Erdboden schlafen, werden erwachen, diese zu äonischem Leben, jene zur Schmach, zu äonischem Abscheu.«

Dieser Rückblick auf den Ablauf der Freilösung Israels beginnt mit dem Aufstehen Michaels in der Mitte des letzten Siebeners zur Schlacht mit dem Drachen und zu dessen Hinauswurf aus dem Himmel.

Die Drangsal werden alle überstehen, die in der Schriftrolle Gottes eingeschrieben sind. Mit Recht könnte man fragen, wer in jenen Tagen überhaupt bestehen kann. Die tröstliche Antwort lautet: Gott hat alles zuvorbedacht und festgesetzt, auch die Namen derer, die hindurchkommen werden. Ohne Gottes Kraft und seine Vorherbestimmung könnte niemand bestehen und gerettet werden. Weder das Ausharren noch das Entkommen liegt in der Hand des Menschen. Gott alleine bewirkt es.

Die vorexilischen Propheten (Jesaja, Jeremia, Hosea, Joel, Amos, Obadja, Jona, Micha, Nahum, Habakuk und Zephania) sahen die Zukunft als ein zusammenhängendes Ereignis. Das Kommen Christi, das bereits geschehene und das noch zukünftige, wird von ihnen nicht unterschieden. Die Propheten des Exils (Daniel und Hesekiel) sehen mehr, sie unterscheiden zwischen dem ersten und zweiten Kommen des Herrn. Die beiden Auferstehungen wiederum sieht Daniel noch nicht zeitlich unterschieden. Erst Johannes sagt uns, daß tausend Jahre zwischen der ersten Auferstehung der Heiligen Israels, der zum Leben, und der zweiten Auferstehung, der zum Gericht, liegen (Off. 20, 5).

Am Königreich des Messias werden also die der Drangsal Entkommenen und die auferweckten Heiligen Israels teilhaben.

Daniel 12, 3+4

»Wie ein Warnen in der Atmosphäre werden die Einsichtigen warnen, und die, welche viele zur Gerechtigkeit geführt haben, sind wie Sterne für den Äon und weiterhin. Und du, Daniel, verwahre die Worte und versiegle die Schriftrolle bis zur Zeit des Endes, wenn viele abschweifen werden, da das Übel zunehmen wird.«

So wie eine Wolke im Westen den israelischen Landmann vor dem Sturmregen warnt, so werden die Einsichtigen viele aufgrund der exakten Angaben von Kap. 11 vor dem Antichristus warnen. Zur Belohnung werden sie wie Sterne im Königreich sein, d. h. sie werden in den beiden letzten Äonen eine Ehrenstellung einnehmen. Ihre Warnungen werden viele zur Gerechtigkeit führen. Die erforderlichen Werke der Umsinnung sind in den Sendschreiben an die sieben Synagogengemeinden im einzelnen beschrieben (Off. 2+3).

Zur Versiegelung der Schriftrolle des Propheten Daniel ist anzumerken, daß Daniel nicht den Inhalt versiegeln soll - wir sollen den Inhalt ja verstehen -, sondern er soll die Erfüllung der Schriftrolle bis zur festgesetzten Frist aussetzen. Das Brechen des Siegels dieser Rolle wird die Erfüllung der darin enthaltenen Prophezeiungen bringen.

Daniel 12, 5-7

»Und siehe, dann sah ich, Daniel, zwei andere stehen, einen auf dem hiesigen Gestade des Wasserlaufs und einen auf dem dortigen Gestade des Wasserlaufs. Und ich sagte zu dem Mann, der in Leinen gekleidet war und der über den Wassern des Wasserlaufs stand: Bis wann dauert das Ende der Wunder? Und ich hörte den Mann, der in Leinen gekleidet war und der über den Wassern des Wasserlaufs stand, sagen: Bis zur Zeit des Endes.

Dann hob er seine rechte und seine linke Hand zu den Himmeln empor und schwor bei dem, der für den Äon lebt, daß es für eine bestimmte Zeit, zwei bestimmte Zeiten und eine halbe Zeit sei. Und sowie die Zerschmetterung der Macht des heiligen Volkes beendet ist, wird dies alles erfüllt sein.«

Bis wann? Das ist die Frage Daniels, ja die Frage Israels. Wie bereits zu Kap. 8 erwähnt, gab es Geheimnisse, die in Gott verborgen waren (Eph. 3, 9). Dem Daniel wurden sie nicht enthüllt. Von diesen geheimen Fristen des Königreichs und der gegenwärtigen paulinischen Verwaltung abgesehen, steht felsenfest: Eine Zeit, zwei Zeiten und eine halbe Zeit (= 3,5 Jahre oder 42 Monate oder 1260 Tage) wird es dauern von der Abschaffung des beständigen Rituals und der Aufrichtung des Greuels der Verödung bis zur Wiederkunft des Messias und der Freilösung Israels. Es ist eine auf den Tag zutreffende, unabänderliche Frist im Programm Gottes.

Was bedeutet der letzte Satz in Vers 7: "Und sowie die Zerschmetterung der Macht des heiligen Volkes beendet ist, wird dies alles erfüllt sein."? - Israel wird in der Endzeit zur größten Macht und zum höchsten Erfolg gelangt sein. Es wird von Babylon aus die Finanzherrschaft über die Welt ausüben. Die auf eigener Anstrengung beruhende Macht des heiligen Volkes muß aber zerschmettert werden. Erst müssen sie alles Eigene verlieren, ehe sie fähig sind, das Königreich aus der Hand Jewes zu empfangen. Erst wenn sie die größte aller Lektionen gelernt haben, daß Gott allein zu retten vermag ohne das Hindernis menschlicher Hilfe, erst dann sind sie den ihnen zugedachten Aufgaben gewachsen, erst dann sind sie ein wohlbrauchbares Gefäß für Gott. So werden sie von der Höhe, zu der sie sich selbst aufgeschwungen haben, hinunter in die tiefsten Tiefen der Drangsal gestoßen, bevor der Messias kommt und sie vor ihren Feinden birgt. Diese Lektion haben sie bisher nie verstanden. Selbst Daniel sagte, daß er nicht verstehe. Er wollte das Volk gesammelt und nicht zerstreut.

Daniel 12, 8-13

»Und ich hörte, doch ich verstand nicht. Daher sagte ich: Mein Herr, was geschieht nach diesem?

Er erwiderte: Geh hin, Daniel; denn verwahrt und versiegelt sind die Worte bis zur Zeit des Endes. Viele werden sich als lauter zeigen, ihre Gewänder weiß machen und durchläutert werden, doch die Frevler werden freveln. Keiner von all den Frevlern wird Verständnis haben, aber die Einsichtigen werden es verstehen. Von der Zeit an, da das beständige Ritual abgeschafft und der Greuel der Verödung eingesetzt wird, sind es 1290 Tage. Glückselig, wer ausharrt und 1335 Tage erreicht. Und du, gehe hin bis zum Ende; du wirst ruhen und wirst auferstehen zu deinem Losteil am Ende der Tage.«

"Was geschieht nach diesem?", fragte Daniel. Das Kommen des Messias in Macht und Herrlichkeit! Im einzelnen wird 1290 Tage nach der Mitte des Jahrsiebeners das beständige Ritual wieder eingesetzt, also 30 Tage nach der Ankunft des Messias. Bis dahin ist das Priestertum wieder organisiert, so daß der wahre Gottesdienst eingesetzt werden kann, der der Mittelpunkt der neuen Weltordnung sein wird.

Der andere Zeitabschnitt von 1335 Tagen nach der Mitte des Siebeners betrifft auch Daniel persönlich. Denn nach weiteren 45 Tagen (oder 75 Tagen nach der Ankunft des Messias) werden die Toten auferweckt und erhalten ihr Losteil. Das wird ein glückseliger Tag sein, wenn die erwachen, deren Namen im Buch des Lebens stehen. "Die übrigen Toten leben nicht, bis die tausend Jahre vollendet sind. ... Glückselig und heilig ist, wer an der ersten Auferstehung teil hat. Über diese hat der zweite Tod keine Vollmacht, sondern sie werden Priester Gottes und Christi sein und mit Ihm die tausend Jahre als Könige herrschen" (Off. 20, 5+6). Auch Daniel wird dann eine hohe Herrschaftsstellung ausüben. Jetzt aber ruht Daniel noch. Seine Ruhe nähert sich ihrem Ende.

Doch bevor er zu seinem irdischen Losteil aufersteht, gehen wir ihm mit unserem überhimmlischen Losteil voran. Gott wird uns in den beiden kommenden Äonen inmitten der überhimmlischen Geschöpfe niedersetzen und den alles übersteigenden Reichtum Seiner Gnade in Christus Jesus an uns zur Schau stellen. Insofern werden wir mitwirken an der Unterordnung, Aufhauptung, Aussöhnung und Vervollständigung des Alls. Das insbesondere sind die Werke, die Gott für uns vorherbereitet hat, bis Gott alles in allen sein wird (Eph. 2, 10). Solch eine Gnade liegt jenseits der Enthüllungen, die Daniel zuteil wurden. "Gesegnet sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns mit jedem geistlichen Segen inmitten der Überhimmlischen in Christus segnet" (Eph. 1, 3)! Amen.

Dieter Landersheim, Januar 1997

Höhenstraße 11

65824 Schwalbach a. Ts.